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	<title>Redaktionsbüro Sabine Fisch &#187; Serien</title>
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	<description>Medizinjournalistin und Moderatorin</description>
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		<title>Den Menschen mit einfachen Mitteln helfen</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 08:59:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom Entfernen eines Fremdkörpers aus einer Kindernase, über das Einsetzen eines Cochlea-Implantates bis hin zur Krebstherapie reicht das Spektrum des Facharztes für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. „Jemanden, der dauernd auf die Uhr schaut und bemüht ist, seine Arbeitszeiten genau einzuhalten, können wir hier nicht gut gebrauchen&#8221;, stellt Prim. Dr. Josef Meindl, Vorstand der Abteilung für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Entfernen eines Fremdkörpers aus einer Kindernase, über das Einsetzen eines Cochlea-Implantates bis hin zur Krebstherapie reicht das Spektrum des Facharztes für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.</p>
<p><span id="more-423"></span></p>
<p>„Jemanden, der dauernd auf die Uhr schaut und bemüht ist, seine Arbeitszeiten genau einzuhalten, können wir hier nicht gut gebrauchen&#8221;, stellt Prim. Dr. Josef Meindl, Vorstand der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz gleich zu Beginn des Gesprächs mit der Ärztewoche klar. „Die jungen Ärzte müssen belastbar sein und flexibel.&#8221; Auch die Bereitschaft einen Teil der Ausbildung an einem anderen Krankenhaus zu absolvieren, sollte vorhanden sein.<br />
Meindl, der eigentlich Allgemeinmediziner werden wollte und über den Turnus im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz bei seinem Fach „gelandet&#8221; ist, war zu Beginn seiner Ausbildung vor allem von der Möglichkeit angetan, dass „man den Leuten mit einfachen Mitteln sehr effizient helfen kann, etwa wenn es darum geht, einen Fremdkörper aus Nase oder Luftröhre zu entfernen.&#8221;</p>
<p>Herausforderung Onkologie<br />
Im Laufe seiner Ausbildung wendete sich Meindl vor allem der Onkologie zu. Diese bildet heute auch einen Schwerpunkt an der von ihm geleiteten Abteilung. „Rund 64 Prozent unserer Patienten sind Tumorpatienten&#8221;, sagt Meindl. Krebserkrankungen des Rachens und des Kehlkopfs gehören immer noch zu den vielfach nur ungenügend therapierbaren Erkrankungen im Bereich der HNO-Heilkunde: „Die Leute kommen oft einfach zu spät, und eine Früherkennung existiert in diesem Bereich kaum&#8221;, beklagt Meindl. Dabei sind HNO-Tumoren stark im Vormarsch. Sie nehmen bei Männern bereits die vierte Stelle in der Krebsstatistik ein. „Hier sollten die Praktiker stärker geschult werden&#8221;, sagt Meindl, „damit sie Verdachtsfälle rascher an den HNO-Facharzt überweisen.&#8221; Aber auch im Bereich der Krebsbehandlung sieht Meindl noch ein weites Forschungsfeld: „Trotz Laser-, Radio- und Chemotherapie hat sich die Fünfjahresüberlebensrate bei HNO-Tumoren in den vergangenen 20 Jahren nur um rund fünf Prozent verbessert. Hier ist noch viel Forschungsarbeit erforderlich.&#8221;<br />
Einen großen Fortschritt bilden allerdings operative Verfahren, vor allem beim Kehlkopfkrebs: „Hier sind heute nur noch in den schwersten Fällen verstümmelnden Operationen nötig&#8221;, erläutert Meindl. „In vielen Fällen können wir heute mit Hilfe der induktiven Chemotherapie den Kehlkopf erhalten.&#8221;</p>
<p>Erfolg Cochlea Implantat<br />
Deutlich verbessert hat sich auch die Situation im Bereich der gehörlosen Patienten. „Weltweit wurde das Cochlea-Implantat bereits 70.000 Mal eingesetzt.&#8221; Auch an Meindls Abteilung wird dieser Eingriff durchgeführt. „Heute setzen wir die Implantate bereits unter zweijährigen Kindern ein, weil die Ergebnisse um so besser sind, je früher die Implantation erfolgt&#8221;, sagt Meindl. Kinder, bei denen der Eingriff so früh erfolgt, lernen problemlos sprechen und können fast immer eine Regelschule besuchen. „Die Nachsorge bei den Patienten mit Cochlea-Implantat gehört zu einem besonders interessanten Bereich in der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde&#8221;, schwärmt Meindl. „Das ist durchaus auch etwas, in dem sich Nachwuchskräfte profilieren können.&#8221;</p>
<p>Gute Ausbildungssituation<br />
Die Ausbildung zum Hals-, Nasen-, Ohrenarzt dauert sechs Jahre, wobei vier Jahre im Fach und zwei Jahre Gegenfächer zu absolvieren sind. „Einziges Pflichtfach ist die Chirurgie&#8221;, sagt Meindl. „Innerhalb dieses Fachs besteht aber die Möglichkeit Neuro-, plastische, Unfall- oder Kieferchirurgie zu absolvieren.&#8221; Bei einer Wartezeit auf den Ausbildungsplatz rät Meindl dringend dazu, auf einer chirurgischen Station tätig zu werden. „Die Leute, die zu uns kommen, waren meist viel zu lange auf einer internen Station. Die wissen zwar alles über jede Nebenwirkung jedes Medikaments aber nicht, was sie bei heftigem Nasenbluten tun müssen.&#8221; Handwerkliche Fähigkeiten sollten auch vorhanden sein, vor allem aber sollte der Umgang mit den Patienten beherrscht werden: „Ich frage immer die Schwestern: Wie geht der mit den Patienten um?&#8221; plaudert Meindl aus dem Nähkästchen.</p>
<p>Engagement gefordert<br />
Die Ausbildungssituation beurteilt Meindl derzeit als nicht allzu schlecht: „An meiner Abteilung gibt es drei Ausbildungsstellen.&#8221; Allerdings werden, so der Facharzt weiter, generell zu viele HNO-Fachärzte ausgebildet. „Es gibt ja keine neuen Kassenstellen mehr.&#8221; Wer Neigung zur Spezialisierung zeigt, der hat nach seiner Ausbildung sicherlich eher Chancen auf eine Stelle im Krankenhaus: „Wer sich ein Spezialgebiet herauspickt und sich an der Station damit unentbehrlich macht, der hat eine Chance, einfach weil er gebraucht wird.&#8221;<br />
Für Meindl ist seine Arbeit zur Berufung geworden, etwas, dass er auch neuen Kollegen ans Herz legen will, denn „wenn sie einen Beruf ausüben, der sie erfüllt, wo sie mit dem Herzen dabei sind, dann werden sie auch Super-Fachärzte werden und beste Medizin leisten.&#8221;</p>
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		<title>Die Ausbildungsinhalte radikal ändern!</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 08:57:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Facharzt]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gynäkologie ist ein besonders breites Fach innerhalb der Sonderfächer. Der Gynäkologe gilt heute vielfach aus „Hausarzt&#8221; der Frau, er begleitet sie von der Menarche bis weit ins hohe Alter. Von der Allgemeingynäkologie, über die Geburtshilfe bis hin zur gynäkologischen Onkologie, Urogynäkologie und Endokrinologie spannt sich der Bogen der Tätigkeit. Dies sollte sich auch im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gynäkologie ist ein besonders breites Fach innerhalb der Sonderfächer. Der Gynäkologe gilt heute vielfach aus „Hausarzt&#8221; der Frau, er begleitet sie von der Menarche bis weit ins hohe Alter. Von der Allgemeingynäkologie, über die Geburtshilfe bis hin zur gynäkologischen Onkologie, Urogynäkologie und Endokrinologie spannt sich der Bogen der Tätigkeit. <span id="more-421"></span></p>
<p>Dies sollte sich auch im Curriculum niederschlagen.Wer sich niederlassen will, sollte in der Ausbildung einen anderen Focus haben, als jemand der in erster Linie operativ tätig ist, Reproduktionsmedizin oder Endokrinologie machen will, fordert der Leiter Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Frauenklinik im Wiener AKH, Prof. Dr. Sepp Leodolter im „Fächerreigen&#8221;-Gespräch mit der Ärztewoche.</p>
<p>Welche Änderungen halten Sie in der Ausbildung zum Gynäkologen für wichtig?</p>
<p>Leodolter: Es ist beispielsweise immer noch für jeden Auszubildenden vorgeschrieben, 35 Hysterektomien durchzuführen. Das halte ich für völligen Nonsens. Jemand, der in die Praxis geht braucht andere Schwerpunkte. So jemand sollte natürlich bei Operationen assistieren, um zu wissen, wie das geht, aber mit der Forderung selbst eine operative Ausbildung durchzumachen, behindert er letztendlich jemanden, der sich auf operative Gynäkologie spezialisieren will. Jemand der Endokrinologie machen will, soll sich frühzeitig darauf spezialisieren können, jemand der in die Reproduktionsmedizin gehen will, sollte hier einen Schwerpunkt setzen können. Der niedergelassene Gynäkologe braucht vor allem hohe Kompetenz in der Routine-Beratung, Vor allem sollte der Vorsorgemedizin ein hoher Stellenwert zukommen. Das wird in der Ausbildung derzeit viel zu wenig berücksichtigt.</p>
<p>In welcher Form sollten sich ihre Vorschläge in der Ausbildungspraxis niederschlagen?</p>
<p>Leodolter: Der zeitliche Rahmen sollte natürlich die vorgeschriebenen sechs Ausbildungsjahre umfassen. Die Inhalte sollten allerdings andere sein als jetzt. Hier sollte der Focus einerseits auf Prävention und anderseits auf diagnostischen und konservativen Therapiemethoden liegen, die der niedergelassene Gynäkologe für seine Praxistätigkeit braucht. International wird heute in der weiteren Ausbildung von drei Säulen ausgegangen: der operativen Gynäkologie und der gynäkologischen Onkologie; der Geburtshilfe und Perinatalmedizin und der Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung.</p>
<p>Wurden diese Forderungen auch in der neuen Ausbildungsordnung berücksichtigt?</p>
<p>Leodolter: Wir haben bereits ein Curriculum für die Weiterbildung in gynäkologischer Onkologie eingereicht, das liegt derzeit in der Ärztekammer. Wir erwarten nun, dass, ergänzend zur Ausbildung des „Gesamtfrauenarztes&#8221;, die Weiterbildung für die oben genannten Subspezialitäten institutionalisiert wird.</p>
<p>Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?</p>
<p>Die Arbeit als Gynäkologe und Geburtshelfer ist gesamtheitlich, sie geht weit über eine punktuelle Sichtweise hinaus. Bei uns gibt es nicht die Frau Mayer, der wir die Gallenblase entfernen, und dann geht sie wieder nach Hause. Viele Frauen begleiten wir ein Leben lang &#8211; von der Menarche bis ins hohe Alter. Das verschafft einen ganz anderen Zugang zu den Patientinnen und zu ihren Familien.</p>
<p>Was hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in der Frauenheilkunde verändert?</p>
<p>Leodolter: Es hat, wie bereits erwähnt, eine starke Spezialisierung stattgefunden. Während ein Frauenarzt vor 30 Jahren eigentlich recht gut die Gynäkologie und die Geburtshilfe in gleicher Weise abdecken konnte, wie die Endokrinologie, ist doch für gewisse Fragestellungen heute der Spezialist zuständig. Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Spezialisierungen hat natürlich insbesondere auch die Reproduktionsmedizin, die der Allgemeingynäkologie heute nicht mehr in vollem Ausmaß abdecken kann.</p>
<p>Ist die Zeit des Allgemeingynäkologen vorbei?</p>
<p>Leodolter: Nein, auf keinen Fall. Der Allgemeingynäkologe hat eine sehr wichtige Gate-Keeper-Funktion. Er ist es, der die Triage durchführt, der sagt, 70 bis 80 Prozent der Fragestellungen kann ich selber kompetent abdecken, für die übrigen 20 bis 30 Prozent brauche ich einen Spezialisten.</p>
<p>Welches werden in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen in der Frauenheilkunde sein?</p>
<p>Leodolter: Ganz sicher wird, wie schon oben angeführt, die Prävention ein immer wichtigerer Faktor; im gesamten Fachbereich werden Denken Sie einerseits an die Geburtshilfe, anderseits an die Onkologie, z.B. an das Zervixkarzinom und den Brustkrebs; da ist die regelmäßige Vorsorge das Um und Auf. In Zukunft wird es sicher Modelle geben, um das individuelle Risiko zu evaluieren, als Voraussetzung für präventive Maßnahmen.</p>
<p>Was raten Sie einem Medizinstudenten, der Gynäkologe werden will?</p>
<p>Leodolter: Wenn jemand eine universitäre Laufbahn einschlagen will, ist es gut, wenn der Kandidat bereits während seines Studiums an der Klinik famuliert hat. Die meisten Medizinabsolventen, die dann zu uns kommen, waren schon während ihres Studiums im Haus und arbeiteten wissenschaftlich. Die haben oft bei der Promotion schon so viele wissenschaftliche Arbeiten, dass sie sich habilitieren könnten. Wer sich andererseits nach der Facharztausbildung niederlassen will, sollte in dem Krankenhaus, in dem er seine Ausbildung machen will, ebenfalls schon während seines Studiums mitarbeiten und versuchen, sich während seiner Turnuszeit soweit zu bewähren, dass er oder sie einen Ausbildungsplatz bekommt.</p>
<p>Wie gestaltet sich die Ausbildungssituation derzeit?</p>
<p>Leodolter: Sehr schwierig. Es werden überall Stellen eingespart. Trotzdem würde ich niemandem abraten, die Facharztausbildung anzustreben. Wer also diesen Weg unbedingt gehen will, der wird das letzten Endes auch schaffen. Allerdings, wenn jemand zwar auf die Gynäkologie fokussiert ist, aber sich beispielsweise auch die Chirurgie vorstellen kann und dann dort einen Ausbildungsplatz bekommen würde, sollte er dieses Angebot möglicherweise annehmen.</p>
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		<title>Man muss die Toten mögen</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 13:20:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Gerichtsmedizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Obduktionen in natürlichen oder gewaltsamen Todesfällen, rechtsmedizinische Gutachten, Lehre und Forschung an der Universität: Das Fach Gerichtsmedizin ist breit und bietet viele interessante Spezialisierungsmöglichkeiten. Das österreichische gerichtsmedizinische Institut zählt zu den ältesten diesbezüglichen Einrichtungen weltweit. Es wurde 1804 von Kaiser Franz I. ins Leben gerufen. 201 Jahre später wurde mit Prof. Dr. Andrea Berzlanovich die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Obduktionen in natürlichen oder gewaltsamen Todesfällen, rechtsmedizinische Gutachten, Lehre und Forschung an der Universität: Das Fach Gerichtsmedizin ist breit und bietet viele interessante Spezialisierungsmöglichkeiten.<span id="more-236"></span></p>
<p>Das österreichische gerichtsmedizinische Institut zählt zu den ältesten diesbezüglichen Einrichtungen weltweit. Es wurde 1804 von Kaiser Franz I. ins Leben gerufen. 201 Jahre später wurde mit Prof. Dr. Andrea Berzlanovich die erste Frau zur Professorin für Gerichtsmedizin in Österreich berufen. Im Interview berichtet Berzlanovich, die derzeit ein Jahr lang am München rechtsmedizinischen Institut lehrt und forscht, über die spannende Arbeit in ihrem Fach, aber auch über Hürden und Schwierigkeiten, die sie auf ihrem Weg zu überwinden hatte.</p>
<dl id="attachment_235" class="wp-caption alignleft""><dt><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-andrea-berzlanovich-im-seziersaal-3-1506051.jpg"><img class="size-full wp-image-235" title="prof-dr-andrea-berzlanovich-im-seziersaal-3-1506051" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-andrea-berzlanovich-im-seziersaal-3-1506051.jpg" alt="Univ.-Prof. Dr. Andrea Berzlanovich" width="151" height="203" /></a></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 161px">Univ.-Prof. Dr. Andrea Berzlanovich</dd></dl>
<p>Warum haben Sie sich ursprünglich dafür entschieden das Fach Gerichtsmedizin zu wählen?</p>
<p>Berzlanovich: Dieser Wunsch war eigentlich bereits in meiner Kindheit da. Das Fach hat mich schon immer fasziniert, und ich habe Medizin studiert, um Gerichtsmedizinerin zu werden. Es interessiert mich, warum und wie jemand ermordet wurde, welche pathologischen Veränderungen ursächlich für den natürlichen Tod <a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-andrea-berzlanovich-im-seziersaal-3-150605.jpg"></a>waren. Das will ich aufklären.</p>
<p><p>Was ist für Sie an Ihrem Fach besonders spannend?</p>
<p>Berzlanovich: Die Gerichtsmedizin ist sehr heterogen: Es sind nicht nur Obduktionen durchzuführen, sondern auch Untersuchungen an lebenden Menschen, Beurteilungen und Rekonstruktionen von rechtlich relevanten Körperverletzungen, von Gesundheitsschädigungen, sowie Analysen von medizinischen Behandlungsfehlern durch zu führen. Dazu kommen Untersuchungen von Vergiftungen, Auswirkungen von Alkohol, Medikamenten, Drogen. Außerdem sind spurenkundliche und DNA-Gutachten zu machen. Nicht zuletzt spielt die Lehre eine wichtige Rolle, weil ich sehr gerne mit jungen Leuten zusammenarbeite.</p>
<p>Welches waren die größten Veränderungen in der Gerichtsmedizin in den vergangenen zwei Jahrzehnten?</p>
<p>Berzlanovich: 1984 ist die Grundlage für die forensische DNA-Analyse gelegt worden, sodass schließlich Anfang der 90er Jahre die PCR-gestützte DNA-Technik an allen Instituten etabliert wurde. In der Toxikologie waren es Haaruntersuchungen auf Drogen und Gifte, die unsere Arbeit verändert haben.</p>
<p>Welches werden in den kommenden Jahren die großen Herausforderungen für die ihr Fach sein?</p>
<p>Berzlanovich: Es wird vor allem an einem verstärkten Einsatz von bildgebenden Verfahren vor der Obduktion gearbeitet. Röntgen wird ja bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Derzeit laufen Forschungsprojekte, die die Computertomographie in die Gerichtsmedizin implementieren sollen. Diese bildgebenden Verfahren können sehr positiv in der Gerichtsmedizin eingesetzt werden. Man kann Verletzungen nach verfolgen, ohne Gewebe zusätzlich zu beschädigen. Bisher kann man beispielsweise Einschuss und Ausschuss an der Leiche zwar gut beurteilen, man sieht aber ohne Obduktion halt nicht in den Körper rein. Wenn man jedoch den Schusskanal im CT darstellt kann man bei der Obduktion gezielter danach suchen und entsprechend präparieren. Die bildgebenden Verfahren werden die Obduktionen nicht ersetzen können, aber eine wertvolle Unterstützung könnten sie auf jeden Fall bieten.</p>
<p>Wie schaut denn einer ihrer typischen Arbeitstage aus:</p>
<p>Berzlanovich: In Österreich steht man als AnfängerIn viel im Seziersaal, macht bei Obduktionen mit, führt diese nach einiger Zeit auch selbst durch, diktiert Obduktionsprotokolle, befundet histologische Präparate und erstellt aufgrund der gesammelten Befunde Gutachten. Das ist ein großes Standbein. Das zweite ist die Untersuchung an lebenden Menschen. In Wien habe ich viele Verletzungsgutachten erstellt. Auch Haft- und Verhandlungsfähigkeiten habe ich beurteilt.<br />
Hier in München untersuche ich sowohl Opfer als auch Beschuldigte. Dabei geht es in erster Linie um die Rekonstruktion der Geschehnisse und die etwaige Lebensgefährlichkeit der Verletzungen. Die Betroffenen werden dabei zu mir ans Institut gebracht oder ich besuche sie im Krankenhaus und schaue mir ihre Verletzungen an. Das gilt gleichfalls für Frauen und Kinder die vergewaltigt wurden oder andere Formen von Gewalt erlebt haben. Ich nehme auch Blut- oder Harnproben oder Haarproben ab, beispielsweise bei Leuten, die im Straßenverkehr auffällig geworden sind.</p>
<p>Nach einem „Nine to Five&#8221;-Job klingt das nicht:</p>
<p>Berzlanovich: Nein. Das bedeutet auch Nachtarbeit und Ad hoc-Dienste. In Deutschland muss der Gerichtsmediziner auch hirntote Menschen vor einer Organentnahme untersuchen. Wenn jemand verstirbt und seine Organe entnommen werden, muss ein Gerichtsmediziner dabei sein, weil der Staatsanwalt auf dem Standpunkt steht, dass man Betroffene vor der Explantation anschauen muss, da Verletzungen nach der Organentnahme nicht mehr sichtbar sein könnten. Dazu kommt dann noch die Lehre, die mir sehr viel Spass macht. In Österreich habe ich auch sehr gerne Schulungen gemacht, von Kriminalbeamten ebenso wie von Polizeijuristen, Pflegepersonal, Bestattern usw. Da ist ein 24 Stunden-Tag eh fast zu wenig. Die Forschung (forensische Geriatrie) findet immer am Wochenende und im Urlaub statt.</p>
<p>Welche Voraussetzungen sollte eine fertige Ärztin/ein fertiger Arzt für dieses Fachgebiet mitbringen?</p>
<p>Berzlanovich: Die Technik ist erlernbar. Ich bin nicht sehr groß und stark, eher zart gebaut, da braucht man gewisse Techniken. Wichtiger als die Technik ist allerdings die Liebe zum Fach: Wenn man keine Toten mag oder mit dem Tod nicht umgehen kann, wird man bald verzagen. Es gibt in unserem Fach natürlich auch kein Feedback von den Patienten. Niemand sagt: „Danke&#8221;, weil man einen erfolgreichen Eingriff oder eine Therapie vorgenommen hat und der Patient wieder gesund geworden ist. Auch damit muss man umgehen können.</p>
<p>Wie stellt sich die Ausbildungssituation für Frauen dar?</p>
<p>Berzlanovich: Ich würde sagen, es gibt die Hürden, die jede Frau auf der Uni zu bewältigen hat. Einem Mann geht es auch nicht gut in der Ausbildung, aber besser als Frauen. Ich bin eher gutwillig und gutmütig, kann schlecht nein sagen und bin deshalb immer wieder zu Arbeiten eingeteilt worden, die nicht zu meinem ureigensten Fachgebiet gehörten. Arbeitsberichte schreiben, Vorlesungsverzeichnisse erstellen. Ich bin schon härter geworden, vor allem zu mir selbst (lacht).</p>
<p>Wie ist die Ausbildungssituation derzeit?</p>
<p>Sehr schlecht. Zur Zeit gibt es in Wien einige Kollegen in Karenz. Meine Stelle ist für ein Jahr besetzt, weil ich nur für ein Jahr freigestellt bin. Und zwei weitere Kollegen sind für fünf Jahre karenziert. Ich habe gehört, dass die eine Stelle für vier Jahre ausgeschrieben ist. Aber eine Ausbildungsstelle ist nicht frei. Es sieht auch österreichweit schlecht aus. Es gibt Stellen nur dann, wenn jemand berufen wird, oder in Pension geht oder sich karenzieren lässt. Das gilt für Deutschland genauso. Es werden Institute in Deutschland zusammengelegt oder geschlossen, Stellen werden nicht nach besetzt. Alles eine Frage des Geldes.</p>
<p>Würden Sie Interessierten derzeit von der Gerichtsmedizin abraten?</p>
</p>
<p>Berzlanovich: Abraten würde ich niemanden, Wenn jemand überzeugt ist, dass sie/er das möchte, würde ich das jedenfalls unterstützen. Ich würde aber jeder/jedem raten, erstmal an der Gerichtsmedizin zu famulieren, sich die Arbeit und das Umfeld hier anzuschauen, kann man mit dem Tod umgehen, kann man jeden Tag rausgehen, ohne deprimiert zu sein? Es wird einem nichts geschenkt, man muss es sich erarbeiten. Ich habe wirklich den Willen gehabt und die Ausbildungssituation war schon zu meiner Zeit schlecht. Wenn man das will, dann schafft man es auch. Eiserner Wille gehört dazu, ein bisschen Glück auch. Man muss es eben versuchen.<!--more--></p>
<p><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-andrea-berzlanovich-im-seziersaal-3-150605.jpg"></a></p>
<p>Wie beurteilen Sie die beruflichen Chancen fertig ausgebildeter FachärztInnen für Gerichtsmedizin?</p>
<p><p>Berzlanovich: Gleichfalls schlecht. Als GerichtsmedizinerIn ist man auf die Uni beschränkt. Eine Stelle zu bekommen ist sehr schwierig. Hier in Deutschland gibt es einige private Institute, aber Stellenangebote sind sehr rar. Man muss Begeisterung für die Arbeit, Geduld und Power haben, reich wird man nicht. Es ist einfach die Liebe zum Fach.</p></p>
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		<title>Es gibt zu viele Chirurgen!</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 13:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Chirurgie]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Chirurgie gilt vielen Jungmedizinern immer noch als „Königsdisziplin&#8221; unter den Sonderfächern. Im Gespräch mit der Ärztewoche wird dies allerdings vom Klagenfurter Abteilungsvorstand Prim. Prof. Dr. Michael Starlinger stark relativiert. Er setzt sich für weniger Ausbildungsplätze und eine kürzere Ausbildungszeit ein. „Wir bilden viel zu viele Leute aus&#8221;, sagt Prim. Prof. Dr. Michael Starlinger, Vorstand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Chirurgie gilt vielen Jungmedizinern immer noch als „Königsdisziplin&#8221; unter den Sonderfächern. Im Gespräch mit der Ärztewoche wird dies allerdings vom Klagenfurter Abteilungsvorstand Prim. Prof. Dr. Michael Starlinger stark relativiert. Er setzt sich für weniger Ausbildungsplätze und eine kürzere Ausbildungszeit ein.<span id="more-233"></span></p>
<p><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prim-prof-dr-michael-starlinger-160605.bmp"></a><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prim-prof-dr-michael-starlinger-1606051.bmp"><img class="alignleft size-full wp-image-232" title="prim-prof-dr-michael-starlinger-1606051" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prim-prof-dr-michael-starlinger-1606051.bmp" alt="Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Starlinger" /></a>„Wir bilden viel zu viele Leute aus&#8221;, sagt Prim. Prof. Dr. Michael Starlinger, Vorstand der Abteilung für Allgemeinchirurgie am Klagenfurter Krankenhaus. „Bei uns in Klagenfurt ist es so, dass die Leute nach der Facharztprüfung auf der Straße stehen, weil wir nicht genügend Stellen anbieten können.&#8221; War es bis vor einiger Zeit noch so, dass die Änderungen im Arbeitszeitgesetz, ein größeres Angebot an freien Stellen bedeutete, so ist diese Zeit laut Starlinger längst wieder vorbei. Auch die Ausbildungsdauer kritisiert der Viszeralchirurg: „Wenn die Leute bei uns, meist nach ihrem Turnus, mit ihrer sechsjährigen Ausbildungszeit fertig sind, sind sie nicht selten bereits vierzig Jahre alt. Das ist zu alt.&#8221; Starlinger zieht im Ärztewoche-Gespräch die Ausbildung in den USA heran: Dort dauert die sogenannte Residency, bei der ein promovierter Mediziner praktisch Tag und Nacht am Krankenhaus ist, drei Jahre. Danach darf er sich surgeon nennen, also Chirurg.&#8221; Auch die Ausbildung in den USA sei insgesamt viel strukturierter, die „Lehrlinge&#8221; hätten deutlich mehr zu tun und müssten, selbstverständlich unter Anleitung, viel mehr und selbständiger operieren.</p>
<p><p><strong>Patienten erziehen</strong><br />
„Aber das ist auch durch eine andere Haltung der Patienten möglich, die durchaus nichts dagegen haben, wenn der Assistent sie unter Anleitung operiert&#8221;, erläutert Starlinger. „Bei uns bin ich doch häufig damit konfrontiert, dass ein Patient sagt: Aber Herr Professor, sie operieren mich schon selber!&#8221; Auch die Struktur in der Ausbildung zum Chirurgen fehlt Starlinger in Österreich: „Wir haben keine Tradition in der Ausbildung&#8221;, moniert der Chirurg, der sich eine Begrenzung der Ausbildungsstätten wünscht. Auch ein fixer Ausbildungskatalog sollte vorgegeben sein und auch eingehalten werden. Nicht zuletzt wünscht sich Starlinger regelmäßige Audits der Ausbildungsstätten: „Werden die Bedingungen nicht erfüllt, sollte dem ausbildenden Krankenhaus die Berechtigung zur Facharztausbildung entzogen werden.&#8221; Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie entwickelt gerade ein Konzept, wie viele Ausbildungsstellen für Chirurgie in Österreich notwendig sind. „Dies soll uns eine Einschätzung darüber bieten, wie viele Chirurgen in Österreich überhaupt notwendig sind&#8221;, erklärt Starlinger.</p>
<p><strong>Krisenfeste Ärzte</strong><br />
Bei jenen Chirurgen, die es schaffen, eine Ausbildungsstelle zu erhalten, setzt Starlinger Entscheidungsfreudigkeit und eine „gewisse Neigung zum Krisenmanagement&#8221; voraus. „Denn wir handeln ja sehr häufig aus einer Notsituation heraus&#8221;, so Starlinger weiter. Nicht selten kommt es auch bei geplanten Eingriffen zu Komplikationen, bei denen Ruhe und Besonnenheit am OP-Tisch besonders wichtig seien. Handwerkliches Können sei natürlich ebenfalls nicht von Nachteil, wenngleich man dieses auch durch viel Übung kompensieren könne.<br />
Seine eigene Faszination an der Chirurgie erklärt Starlinger damit, dass „in vielen Fällen durch die Arbeit von einigen Stunden die Voraussetzung für das Gesund werden eines Menschen geschaffen werden kann.&#8221;</p>
<p><strong>Verteilungskämpfe ante portas</strong><br />
Gerade auch die laparoskopische Chirurgie hat dafür viel getan. Wurden durch sie doch auch Eingriffe bei Menschen möglich, die bereits durch andere Erkrankungen schwer belastet waren oder für die ein höheres Narkoserisiko bestanden hat. Starlinger nennt als Beispiel die laparoskopische Cholezystektomie. Insgesamt geht der Viserzalchirurg für die kommenden Jahre von einer weiteren Verfeinerung und Spezialisierung der laparoskopischen Chirurgie aus, sieht dies aber nicht als hauptsächliche Herausforderung für das Fach: „Das sind viel eher strukturelle Probleme, wie etwa die Einführung von Mindestmengen für kompliziertere Operationen. Da wird es in den kommenden Jahren sicherlich zu Verteilungskämpfen kommen und diese vernünftig und friedlich zu managen ist eine Herausforderung für uns Chirurgen.&#8221;</p>
<p><strong>Abwandern sinnvoll</strong><br />
Jenen Jungärzten, die trotz aller derzeit im Fach vorherrschenden Probleme eine Ausbildung zum Chirurgen absolvieren wollen, rät Starlinger, ins Ausland zu gehen: „In Deutschland gibt es, schon aufgrund des Numerus clausus, Möglichkeiten zur Ausbildung.&#8221; Auch der immer massiver werdende Ärztemangel erhöht die Möglichkeiten auf eine Stelle zur Chirurgenausbildung. „Allerdings ist die Arbeit sehr anstrengend und der Verdienst in Deutschland für Ärzte in Ausbildung noch geringer als in Österreich&#8221;, warnt Starlinger ambitionierte Jungmediziner. Von der Ausbildung abraten will der Chirurg letztlich aber trotz aller Schwierigkeiten nicht: „Ich glaube, das ist wie in allen anderen Berufen: Die Guten setzen sich letztlich durch.&#8221; Die entsprechende Mobilität und Flexibilität vorausgesetzt, werde sich auch eine Möglichkeit zur Ausbildung ergeben.<br />
Seine eigene Entscheidung, Chirurg zu werden, hat Starlinger übrigens nicht bereut, wenn er auch ursprünglich Anästhesist hätte werden wollen. „Denn wissen Sie&#8221;, sagt der Chirurg abschließend: „Das Schönste an meinem Beruf sind die dankbaren Patienten, die wenn alles gut gegangen ist, einem die Hand schütteln und sagen: „Herr Doktor, das haben Sie toll gemacht.&#8221;</p></p>
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		<title>Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin: Wer keinen Teamgeist hat, ist verloren!</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 13:12:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Blutgruppenserologie]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Transfusionsmedizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Facharzt für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin: Das klingt erstmal deutlich weniger spannend als Internist oder Chirurg. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich allerdings ein herausforderndes, spannendes und vor allem ständigen Veränderungen unterliegendes Fachgebiet, dass sowohl für den Wissenschafter als auch für den praktisch veranlagten Mediziner ein spannendes Tätigkeitsfeld bietet. Eigentlich wollte er Internist werden, „aber da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Facharzt für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin: Das klingt erstmal deutlich weniger spannend als Internist oder Chirurg. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich allerdings ein herausforderndes, spannendes und vor allem ständigen Veränderungen unterliegendes Fachgebiet, dass sowohl für den Wissenschafter als auch für den praktisch veranlagten Mediziner ein spannendes Tätigkeitsfeld bietet.<span id="more-230"></span></p>
<p><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-diether-schonitzer-070605.bmp"><img class="alignleft size-full wp-image-229" title="prof-dr-diether-schonitzer-070605" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/prof-dr-diether-schonitzer-070605.bmp" alt="Univ.-Prof. Dr. Diether Schönitzer" /></a>Eigentlich wollte er Internist werden, „aber da war 1968 in Innsbruck gerade kein Ausbildungsplatz frei&#8221;, erzählt der Leiter des Zentralinstitutes für Bluttransfusion und der immunologischen Abteilung an der Medizinischen Universität Innsbruck, Prim. Prof. Dr. Diether Schönitzer im Interview mit der Ärztewoche. Bereut hat er seinen Entschluss, das Fachgebiet Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin zu wählen, trotzdem nicht.</p>
<p><p>Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?</p>
<p>Schönitzer: Als ich mit der Ausbildung anfing, das war 1968, da fand ich ein weitgehend unbearbeitetes Feld vor. Mein Chef hat mir damals ein Buch über Blutgruppenbestimmung die Hand gedrückt und gesagt: „Lies dich mal ein.&#8221; Das habe ich getan und war fasziniert. Damals sind gerade Blut- und Gewebefaktoren beschrieben worden. Und durch die Fortschritte in der Chirurgie ist der Bedarf an verträglichen Blutkonserven angestiegen. Die Blutbank in Innsbruck war damals auf der Chirurgie angesiedelt, da konnte ich jeden Tag sehen, wie dringend wir gebraucht werden.</p>
<p>Welches waren in den vergangenen 25 Jahren denn die größten Veränderungen in der Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin?</p>
<p>Schönitzer: Zum einen wurden Blutprodukte gesetzlich als Arzneimittel geregelt. Als ich begonnen habe, gab es dafür noch keine gesetzlichen Regelungen. Daraus hat sich ein ganzer Wissenschaftszweig zur Entwicklung und Herstellung neuer Blutprodukte entwickelt. Dann gab es natürlich Meilensteine, wie etwa die Beschreibung monoklonaler Antikörper im Jahr 1976, was zu einer völligen Veränderung in der Blutgruppenserologie geführt hat. 1968, als ich angefangen habe, wurde in Tirol erstmals die Rhesusprophylaxe eingeführt. Dadurch haben deutlich weniger Neugeborene an der hämolytischen Krankheit gelitten. Gegen Ende der 80er Jahre ist mit dem Geltest ein neues System zur Bestimmung der Blutgruppen eingeführt worden, mit welchem heute mehr als 80 Prozent der transfusionsmedizinischen Einrichtungen arbeiten.<br />
Und besonders viel hat sich natürlich auf dem Gebiet der Infektionstestung ereignet. Der Anlasspunkt dafür war natürlich von 1983 bis 1985 das HI-Virus. Damit wurde man weltweit auf die Gefahr, die Bluttransfusionen mit sich bringen können, aufmerksam. Die zweite große Gefahr ist natürlich die Hepatitis. Aber mit den aufgrund dieser Gefahren eingeführten, heute praktizierten Testsystemen, ist eine Bluttransfusion extrem sicher geworden: Bei HIV gehen Schätzungen davon aus, dass auf drei bis fünf Millionen Blutübertragungen theoretisch eine unentdeckte HIV-Infektion vom Spender auf den Empfänger übertragen werden kann. Bei Hepatitis B ist das Risiko größer: Hier liegt das Verhältnis, je nach Studie, zwischen eins zu 100.000 bis zu eins zu 300.000.</p>
<p>Welches werden in den kommenden Jahren die großen Herausforderungen in ihrem Fachgebiet sein?</p>
<p>Schönitzer: Im Bereich der Infektionsübertragung bei Transfusionen möchten wir ein Nullrisiko erreichen. Das wird schon aufgrund des Auftretens neuer Viren nicht zur Gänze erreichbar sein. Ein Schritt in diese Richtung ist allerdings die österreichweite Einführung eines Testsystem, das Blut mittels eines unspezifischen Infektionsparameters auf frische Infektionen testen kann. Dieser Test ist mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben. Wir haben mit dem unspezifischen Infektionsmarker Neopterin einen solchen Test in Innsbruck entwickelt.</p>
<p>Welche Voraussetzungen sollte ein fertig ausgebildeter Mediziner für das Fach Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin mitbringen?</p>
<p>Schönitzer: Prinzipiell sollte sie oder er ein Interesse an Immunhämatologie, Blut und Immunsystem haben. Auch für Laboratoriumsmedizin sollte ein Interesse vorhanden sein, weil wir naturgemäß viel im Labor arbeiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beschäftigung mit Gewebetypisierungen, die vor allem im Bereich der Transplantationsmedizin immer wichtiger werden. Nicht zuletzt spielt auch die Molekulargenetik und -biologie eine immer wichtiger werdende Rolle.<br />
Abseits dieser fachlichen Qualitäten sind vor allem zwei Aspekte wichtig: Team- und Kommunikationsfähigkeit: Zur Ausbildung gehört beispielsweise auch die Auseinandersetzung mit Blutspendern, da ist Kontaktfreudigkeit wichtig. Im Bereich der Laboratoriumsmedizin gehört die Teamfähigkeit zum Um und Auf. Einzelakteure sind da nicht gefragt. Das ist immer eine größere Gruppe, die hier zusammenarbeitet, bei uns im Institut sind das 74 Mitarbeiter. Wer da keinen Teamgeist hat, ist hoffnungslos verloren.</p>
<p>Wie ist die Ausbildungssituation derzeit in Österreich?</p>
<p>Schönitzer: Offiziell gibt es 35 Ausbildungsplätze. Frei ist aber derzeit nur ein Platz. Alle anderen Stellen sind besetzt und nur wenige von Auszubildenden. Auf vielen dieser Plätze „sitzen&#8221; fertige Fachärzte, weil man diese als Systemerhalter braucht. Niemand gibt schließlich gerne einen gut ausgebildeten Facharzt her. Momentan stagniert die Situation in Bezug auf die Ausbildung leider ein wenig.</p>
<p>Wo sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz am besten?</p>
<p>Schönitzer: Soweit das angesichts der gerade beschriebenen Situation zu sagen ist, würde ich meinen, dass die Chancen dort am besten sind, wo es die meisten Ausbildungsstellen gibt, das wären in Österreich Wien und Graz mit jeweils acht Stellen. Wir in Innsbruck haben drei Stellen. Inhaltlich glaube ich, dass Interessenten dort die beste Ausbildung erhalten, wo die gesamte Transfusionskette gelehrt wird. Das ist überall dort der Fall, wo eine Blutspendeeinrichtung mit einer klinischen Abteilung verknüpft ist, also in Innsbruck, Graz und Wien, das mit Prof. Wolfgang Mayer natürlich die Hochburg der Transfusionsmedizin ist.</p>
<p>Welche Zusatzausbildungen erweisen sich für das Fach als günstig?</p>
<p>Schönitzer: Ich fände eigentlich zwei Facharztausbildungen in Kombination ideal: Den Facharzt für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin kombiniert mit jenem für medizinisch-chemische Labordiagnostik. Das wäre deshalb so wichtig, weil es zum einen in Österreich schon jetzt 183 Blutdepots gibt, die mit adäquaten Fachleuten zu besetzen wären. Zum anderen könnten damit die Labors in den Bezirkskrankenhäusern optimal besetzt werden. Derzeit ist es ja noch häufig so, dass in diesen Häusern das Labor von Kollegen anderer Fachrichtungen „mitbetreut&#8221; wird. Dieser Zustand muss aufhören, dafür ist die doppelte Ausbildung eine ideale Voraussetzung. Eine solche Ausbildung bedeutet allerdings auch einen langen Atem, denn für den Doppelfacharzt sind neun Jahre Ausbildung notwendig. Kollegen, die das schaffen, hätten die optimalen Voraussetzungen, um in größeren Krankenanstalten das Labor und die Transfusionsmedizin gleichzeitig zu betreuen.</p>
<p>Wie beurteilen Sie die Chancen fertig ausgebildeter FachärztInnen für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin?</p>
<p>Schönitzer: Bis dato haben alle, die einen Ausbildungsplatz erhalten haben, auch eine Stelle gefunden.</p>
<p>Was erwarten Sie sich von der Reform der Ausbildungsordnung, die noch heuer beschlossen werden soll?</p>
<p>Schönitzer: Unsere Fachgesellschaft hat bereits 2002 ihre Vorstellungen bei der Österreichischen Ärztekammer deponiert. Gegenüber der Ausbildungsordnung von 1994 ist die Herstellung von Stammzellen und Zellen aus peripherem Blut dazu gekommen sowie die therapeutischen und präparativen Hämapharesen. Ich hoffe, dass der Text so in die neue Ausbildungsordnung übernommen wird. Teilweise wird es natürlich Überschneidungen mit der Labormedizin geben. Deshalb plädiere ich auch für eine enge Zusammenarbeit mit diesem Fachgebiet. Ich glaube, dass das zwei Fächer sind, die gut zusammenarbeiten können.</p></p>
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		<title>Augenheilkunde: Fast jedem kann geholfen werden</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 13:07:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Augenheilkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bereits unter Hammurabi wurden die ersten Staroperationen beschrieben. Und im Mittelalter waren es die Okulisten, die von Dorf zu Dorf zogen, um den meist unwissenden Einwohnern den Star zu stechen, mit durchaus überschaubarem Erfolg. Heute hat die Ophthalmologie für fast jedes Augenproblem eine Lösung anzubieten. Die Fortschritte auf operativem Gebiet sind groß, auch für wissenschaftliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits unter Hammurabi wurden die ersten Staroperationen beschrieben. Und im Mittelalter waren es die Okulisten, die von Dorf zu Dorf zogen, um den meist unwissenden Einwohnern den Star zu stechen, mit durchaus überschaubarem Erfolg. Heute hat die Ophthalmologie für fast jedes Augenproblem eine Lösung anzubieten. Die Fortschritte auf operativem Gebiet sind groß, auch für wissenschaftliche Forschung bietet sich ein breites Betätigungsfeld.<span id="more-228"></span></p>
<dl id="attachment_227" class="wp-caption alignleft""><dt><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/fellner-roderich-dr-200409.jpg"><img class="size-full wp-image-227" title="fellner-roderich-dr-200409" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/fellner-roderich-dr-200409.jpg" alt="Dr. Roderich Fellner" width="113" height="171" /></a></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 123px">Dr. Roderich Fellner</dd></dl>
<p>„In der Augenheilkunde gibt es nur sehr wenige Patienten, denen man sagen muss, leider da kann ich überhaupt nichts machen&#8221;, erklärt der Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) für, MR Dr. Roderich Fellner, Augenarzt aus Graz im Gespräch mit der Ärztewoche die eigene Begeisterung für sein Fachgebiet. „Wenn ich das beispielsweise mit der Onkologie oder der Geriatrie vergleiche, kann ich sagen, in der Augenheilkunde können wir doch den meisten Patienten helfen.&#8221;<br />
Als eine ideale Mischung von konservativer und operativer Tätigkeit beschreibt Fellner die Tätigkeit aus Augenarzt. „Viele Kollegen spezialisieren sich beispielsweise auf bestimmte Operationen, wie etwa die Star- oder Glaukomoperation. Andere konzentrieren ihre Tätigkeit wiederum auf Schielkinder.&#8221; Dies zeigt, dass auch innerhalb eines vergleichsweise „kleinen&#8221; Faches, eine weitere Spezialisierung durchaus möglich, ja, wie im Fall der hochkomplizierten Staroperationen, sogar erwünscht ist.</p>
<p><p><strong>Große Veränderungen</strong><br />
Erinnern Sie sich noch an die Starbrille, die früher manche Menschen tragen mussten? „Als ich in der Augenheilkunde anfing, bestand die Staroperation darin, die getrübte Linse zu entfernen&#8221;, plaudert Fellner aus dem Nähkästchen. Die Patienten mussten danach sogenannte Starbrillen tragen, die nicht nur das Gesichtsfeld deutlich einschränkten, sondern auch nicht sehr attraktiv aussahen. „Damals dachten wir, die Entfernung der Linse in toto wäre bereits das Non plus Ultra in der Starchirurgie.&#8221; Heute wird mittels eines nur noch drei Millimeter langen Schnittes die getrübte Linse entfernt und eine Kunstlinse eingesetzt, die den PatientInnen fast immer ein normales Sehen ermöglicht. „Wir haben da einen Stand erreicht, mit dem wir sehr zufrieden sein können&#8221;, sagt Fellner. „Aber es gibt sicher noch weitere Steigerungen.&#8221;</p>
<p><strong>Forschungsintensives Fach</strong><br />
Auch die Entwicklung des Operationsmikroskops vor etwa 30 Jahren und die Miniaturisierung der Instrumente gehören für Fellner zu den wesentlichen Fortschritten für die Augenheilkunde in den vergangenen Jahrzehnten. Neben der täglichen praktischen Auseinandersetzung im Fach gehört die wissenschaftliche Arbeit in der Ophthalmologie für Fellner sicherlich zu den interessantesten Herausforderungen der kommenden Jahre, der auf eines der ungelösten Probleme in der Augenheilkunde hinweist: „Für die feuchte Makuladegeneration haben wir zwar schon vielversprechende Therapieansätze. Von einer Heilung können wir hier aber noch lange nicht sprechen.&#8221; Völlig ungelöst erscheint derzeit noch das Problem der trockenen Makuladegeneration, bei der es zu einem langsamen, aber unaufhaltsam fortschreitenden Visusverlust kommt.</p>
<p><strong>Zähigkeit und Ausdauer</strong><br />
Neben der Liebe zum Fach und zur Wissenschaft sieht Fellner viel Geduld und Ausdauer als wesentlichste Voraussetzungen für angehende AugenheilkundlerInnen: „Denn die Ausbildungssituation ist derzeit leider gar nicht gut.&#8221; Generell gäbe es viel zu wenig Ausbildungsstellen. Aber auch als fertiger Facharzt gilt ein berufliches Auskommen noch lange nicht als gesichert. Da die Gebietskrankenkassen die Planstellen für FachärztInnen festlegen, kann es mitunter zu langen Wartezeiten kommen, bis ein Facharzt für Augenheilkunde eine Kassenstelle erhält.<br />
Fellner kann sich, um die Situation zu verbessern, für die Zukunft durchaus stärkere Beschränkungen vorstellen: „In den USA wird vor Ausbildungsbeginn die Anzahl der Fachärzte festgelegt, die benötigt werden und etwa genauso viele werden dann auch tatsächlich ausgebildet.&#8221; Eine ideale Lösung, so Fellner, da es auf diese Weise nicht zu Überkapazitäten käme. Auch eine Zugangsbeschränkung zum Medizinstudium kann sich Fellner durchaus vorstellen: „Wir haben in Österreich als letztes Land in Europa keine Zulassungsbeschränkung. Wenn bei uns jemand bei der Krankenschwesternausbildung durchfällt, kann er immer noch Medizin studieren.&#8221;</p>
<p><strong>Ausland keine Lösung</strong><br />
Betrachtet Fellner die beruflichen Perspektiven für angehende FachärztInnen für Augenheilkunde in Österreich schon als ungünstig, so scheint es im benachbarten Ausland nicht viel besser um Beschäftigung, Kassenstellen und Bezahlung bestellt zu sein: „In den skandinavischen Ländern fehlen derzeit tausende von Fachärzten, weil die Bezahlung unterdurchschnittlich ist.&#8221; In Großbritannien wird seit vielen Jahren voll auf die Versorgung im Krankenhaus gesetzt, was es den britischen AugenärztInnen nicht nur erschwert, sich niederzulassen, sondern auch, ihre Ordinationsausstattung auf dem letzten Stand der Technik zu halten. „Auch in Deutschland&#8221;, so Fellner weiter „sind derzeit rund 5.000 Facharztstellen nicht zu besetzen, weil die Honorierung nicht stimmt.&#8221; Rund 1.000 Euro im Monat erhalte ein junger Facharzt in Ausbildung pro Monat. „In Österreich ist die Bezahlung übrigens nicht viel besser&#8221;, warnt Fellner die jungen KollegInnen. Abraten will der Präsident der ÖOG MedizinstudentInnen vom Fach Augenheilkunde allerdings keineswegs: „Aber man soll den jungen KollegInnen vorher genau sagen, was sie erwartet.&#8221;</p>
<p><strong>Ein dorniger Weg<br />
</strong>Insgesamt dauert die Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde sechs Jahre. „Davon sind fünf Jahre im Fach zu absolvieren, ein halbes Jahr innere Medizin und ein halbes Jahr Chirurgie&#8221;, zählt Fellner auf. Den Abschluss bildet, wie in allen anderen Sonderfächern auch, die Facharztprüfung. Zusätzliche Ausbildungen hält Fellner nur eingeschränkt für nötig: „An sich ist das Fach Augenheilkunde so sehr spezialisiert, dass eine zusätzliche Ausbildung nicht viel bringt. Interessant kann eine intensivere Beschäftigung mit Kontaktlinsen sein.&#8221; Hier sei der Markt in Österreich noch nicht gesättigt.<br />
Trotz aller genannten Schwierigkeiten bleibt die Augenheilkunde für Fellner ein „hochinteressantes, spannendes Fach, es ist eine Freude darin zu arbeiten. Aber bis man soweit kommt, ist es eben ein dorniger Weg.&#8221;</p>
<p>MR Dr. Roderich Fellner ist Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft und niedergelassener Augenarzt in Graz.</p></p>
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		<title>Arbeitsmedizin: Nicht reparieren, sondern die Ursachen bekämpfen!</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 19:15:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Medizinstudium]]></category>

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		<description><![CDATA[Bereits im 17. Jahrhundert wurde mit Bernardo Ramazinis* Standardwerk zu den Ursachen für Berufskrankheiten der Grundstein zum Sonderfach Arbeitsmedizin gelegt. Aber erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in Österreich erstmals eine 12wöchige Ausbildung zum Arbeits- und Betriebsmediziner ins Leben gerufen. Mit der neuen Ausbildungsordnung soll nunmehr auch eine sechsjährige Facharztausbildung geschaffen werden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits im 17. Jahrhundert wurde mit Bernardo Ramazinis* Standardwerk zu den Ursachen für Berufskrankheiten der Grundstein zum Sonderfach Arbeitsmedizin gelegt. Aber erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in Österreich erstmals eine 12wöchige Ausbildung zum Arbeits- und Betriebsmediziner ins Leben gerufen. Mit der neuen Ausbildungsordnung soll nunmehr auch eine sechsjährige Facharztausbildung geschaffen werden.<span id="more-214"></span></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p>Interesse an arbeitsbedingten Erkrankungen, hohe Kommunikationsfähigkeit und derzeit noch viel Geduld brauchen künftige ArbeitsmedizinerInnen in Österreich. Denn es sieht mit der Anzahl der Ausbildungsstellen zum Facharzt für Arbeits- und Betriebsmedizin noch ziemlich schlecht aus. „Insgesamt gibt es derzeit nur 22 Ausbildungsstellen in ganz Österreich&#8221;, sagt der Arbeitsmediziner Dr. Erich Pospischil im Gespräch mit der Ärztewoche. „Erst die neue Ausbildungsordnung wird hier Abhilfe schaffen können.&#8221; Mit dieser soll dann erstmals die Möglichkeit bestehen, in einer sechsjährigen Ausbildung den Titel Facharzt für Arbeits- und Betriebsmedizin erwerben zu können.<br />
 Aber auch ohne Facharzttitel besteht bereits jetzt die Möglichkeit, sich die Berechtigung zur Berufsausübung als ArbeitsmedizinerIn zu erwerben. Wer das ius practicandi hat, kann einen zwölfwöchigen Kurs an einer der beiden österreichischen Akademien für Arbeitsmedizin in Klosterneuburg bzw. Linz zu absolvieren. „Nach Abschluss dieser Ausbildung darf man als ArbeitsmedizinerIn praktizieren&#8221;, erläutert Pospischil.</p>
<p>Ausbildung im Fluss<br />
 Seit 1996 und noch bis Ende 2006 besteht als Übergangsregelung die Möglichkeit, nach mindestens acht Jahren nachgewiesener Tätigkeit als Arbeitsmediziner den Facharzttitel von der Ärztekammer zuerkannt zu bekommen, vorausgesetzt, es wurde die Facharztprüfung positiv bestanden.. Derzeit haben rund 75 Arbeits- und Betriebsmediziner in Österreich ihren Facharzttitel auf diese Weise erworben. Wer jetzt mit dem Studium fertig ist und in dieses Fach gehen möchte, dem rät Arbeitsmediziner Pospischil auf alle Fälle den Zwölfwochenkurs an, denn „der wird zukünftig auch Teil der Facharztausbildung sein, ist also jedenfalls zu absolvieren.&#8221; Zudem berechtigt dieser Kurs zur sofortigen Aufnahme der betriebsärztlichen Tätigkeit.</p>
<p>Gesundheit ist kein Luxus<br />
 Arbeitsbedingte Erkrankungen stehen im Mittelpunkt der arbeitsmedizinischen Tätigkeit. Im Vergleich zu anderen medizinischen Disziplinen hat der Arbeits- und Betriebsmediziner allerdings vor allem beratende und präventive Aufgaben. „Im Mittelpunkt unserer Bemühungen steht die Entwicklung von Gesundheit im Betrieb&#8221;, sagt Pospischil. Dies umfasst die Einzelberatung von ArbeitnehmerInnen. Dazu gehört aber auch die Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen für ganze Unternehmen. „Auch die enge Zusammenarbeit mit dem Management wird immer wichtiger&#8221;, weiß Pospischil. Denn „es ist ja ganz wesentlich für eine moderne Betriebsführung, dass gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch leistungsbereiter sind.&#8221; Schließlich seien nur gesunde MitarbeiterInnen auch imstande, die ihnen gestellten Aufgaben adäquat zu erfüllen.</p>
<p>Kommunikativ, flexibel und belastbar<br />
 „Kommunikationsfähigkeit und EDV-Kenntnisse&#8221;, fasst Pospischil die beiden wichtigsten „Spezialkenntnisse&#8221;, die ein Arbeits- und Betriebsmediziner mitbringen sollte, zusammen. „Da sitzt man ja nicht irgendwo und wartet, dass die Leute kommen, sondern der Arbeitsmediziner muss auf die Menschen zugehen, ob das jetzt die ArbeitnehmerInnen sind oder das Firmenmanagement.&#8221; Und EDV-Kenntnisse gehören heute zu den Grundvoraussetzungen für Arbeits- und BetriebsmedizinerInnen. Aber auch ein gewisses Verständnis für technische Zusammenhänge, Kenntnisse in Ergonomie, Arbeitspsychologie, Projektmanagement und nicht zuletzt ein hohes Maß an Flexibilität sind Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Arbeit als ArbeitsmedizinerInnen-. „Eine gewisse Mobilität ist unbedingt nötig, weil die Firmenstruktur in Österreich wenige Großbetriebe aufweist, die einen Arbeitsmediziner in Vollzeit beschäftigen können&#8221;, erklärt Pospischil. Aufgrund der kleinteiligen Struktur ist es vielmehr so, dass ein Arbeits- und Betriebsmediziner meist mehrere Betriebe versorgt.<br />
 Auch eine gewisse Belastbarkeit hält Pospischil für absolut notwendig, weil man als Arbeitsmediziner nicht selten im Spannungsfeld zwischen Mitarbeitern und Management steht: „Hier besteht ein großes Konfliktpotential. Derartigen Konfliktsituationen muss man begegnen und sie auch entsprechend moderieren können.&#8221; Übrigens: Auch für den Arbeitsmediziner gilt absolute ärztliche Schweigepflicht. Der Firmenchef darf nicht danach fragen, wer den Arbeitsmediziner aufsucht und aus welchem Grund.</p>
<p>Gute Chancen<br />
 Die beruflichen Chancen für angehende ArbeitsmedizinerInnen beurteilt der erfahrene Arbeitsmediziner Pospischil derzeit wörtlich als „gar nicht schlecht.&#8221; Zum einen käme es in den kommenden Jahren in vielen Betrieben zu einem Generationswechsel, weil KollegInnen in Pension gingen. „Zum anderen bestehen neben der betriebsärztlichen Tätigkeit auch noch andere Möglichkeiten, diesem Beruf nach zu gehen, wie etwa bei der Unfallversicherung und den Arbeitsinspektoraten.&#8221;<br />
 Auch in ländlichen Gebieten besteht derzeit noch Nachholbedarf für arbeitsmedizinische Versorgung.</p>
<p>Es bleibt immer interessant<br />
 Routine gibt es laut Pospischil in der Arbeits- und Betriebsmedizin nur wenig. „Die Arbeitsmedizin bietet eben von der Konzeption von Gesundheitsförderungsprogrammen über die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen bis hin zur Beratung einzelner Mitarbeiter praktisch täglich neue Herausforderungen.&#8221; Mit Kollegen anderer Fachdisziplinen tauschen möchte Pospischil auch nach rund 10-jähriger Tätigkeit als Arbeits- und Betriebsmediziner nicht: „Für mich persönlich ist es immer noch reizvoll, täglich vor neue Herausforderungen gestellt zu sein, neue Inhalte zu definieren und viele verschiedene Wissenskomponenten in meine Arbeit einbringen zu können.&#8221;<br />
 Sabine Fisch</p>
<p>* 1631 &#8211; 1724</p>
<p>Dr. Erich Pospischil ist Facharzt für Innere Medizin undfür Arbeits- und Betriebsmedizin sowie ärztlicher Leiter des Arbeits- und Sozialmedizinischen Zentrums Mödling GmbH. Er ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Anatomie: Der Anatom lehrt lebenslang!</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 19:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Facharztausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Medizinstudium]]></category>

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		<description><![CDATA[Es sind nur wenige MedizinstudentInnen, die sich, nicht selten bereits nach dem Sezierkurs im zweiten Studienjahr, dazu entschließen, keines der klinischen Fächer zu wählen, sondern „in die Anatomie&#8221; zu gehen. Dies bedeutet im Idealfall den Weg vom Demonstrator als StudentIn über den Dr. med. hin zur sechsjährigen Ausbildung. Geduld ist, wie in allen anderen Fachrichtungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind nur wenige MedizinstudentInnen, die sich, nicht selten bereits nach dem Sezierkurs im zweiten Studienjahr, dazu entschließen, keines der klinischen Fächer zu wählen, sondern „in die Anatomie&#8221; zu gehen. Dies bedeutet im Idealfall den Weg vom Demonstrator als StudentIn über den Dr. med. hin zur sechsjährigen Ausbildung. Geduld ist, wie in allen anderen Fachrichtungen auch hier gefragt, denn Ausbildungsplätze sind ausgesprochen rar. Offizielle gibt es derzeit laut Ärztekammer derzeit österreichweit keine einzige freie Ausbildungsstelle.<span id="more-213"></span></p>
<dl id="attachment_212" class="wp-caption alignleft""><dt><a href="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/firbas-wilhelm-prof-dr-140409.jpg"><img class="size-full wp-image-212" title="firbas-wilhelm-prof-dr-140409" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/firbas-wilhelm-prof-dr-140409.jpg" alt="Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Firbas" width="236" height="315" /></a></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 246px">Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Firbas</dd></dl>
<p>„Wir sind heute eigentlich alle Molekularbiologen&#8221;, sagt Prof. Dr. Wilhelm Firbas, Vorstand des Instituts für Anatomie an der medizinischen Universität Wien im Gespräch mit der Ärztewoche. „Egal, ob sie heute Anatom sind, Histologe oder Pharmakologe. Die Fächer sind deutlich enger zusammen gerückt in den vergangenen Jahrzehnten.&#8221; Auch das Fach Anatomie hat einen tief greifenden Veränderungsprozess durchgemacht: Von der makroskopischen Anatomie, die heute als Forschungsgebiet als „ausgebrannt&#8221; bezeichnet wird, hin zu anatomischen Forschungsarbeiten auf molekularer Ebene. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die makroskopische Anatomie keinen Platz mehr im Fach hat, den hat sie, in der Lehre nämlich, und daran wird sich auch nichts ändern. Gehört die Lehre vom menschlichen Körper doch zum unabdingbaren Rüstzeug jedes Medizinstudiums.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Der Anatom als Zwitterwesen</strong><br />
 Deshalb „sollte ein guter Anatom auch immer Lehrer sein wollen&#8221;, bringt es Firbas auf den Punkt. Und damit eigentlich ein Zwitterwesen: Denn neben der Lehre steht die Forschung in der Anatomie hoch im Kurs. Dies bedeutet wiederum die Anatomie auf der molekularen Ebene. „Es geht ja heute darum, möglichst hochwertig zu publizieren&#8221;, sagt Firbas. „Früher konnte man Studien machen über irgendwelche menschliche Varietäten und in Monographien publizieren.&#8221; Das ist heute nicht mehr so gefragt. „Heute geht es darum, für die akademische Karriere möglichst viele Impactpunkte zu sammeln.&#8221; Und diese erhält nur, wer in möglichst hochwertigen Zeitschriften publiziert. „Heute muss der Anatom aktuelle Forschung, Frontline-Forschung betreiben, das ist in unserem Fach gar nicht so leicht&#8221;, meint Firbas: „Es ist nicht mehr die Form, die beschrieben wird, sondern es sind die dahinter liegenden Prozesse.&#8221;<br />
 Für „versponnene, in sich zurückgezogene Forscherpersönlichkeiten&#8221; hat die Anatomie allerdings eher keinen Platz, dazu ist die Lehre zu prominent: „Wir haben heute neben der studentischen Lehre, zumindest gleich viele postpromotionelle Weiterbildungsveranstaltungen&#8221;, erläutert Firbas. Ärzte, die mit neuen Techniken konfrontiert sind, wie etwa Neurochirurgen oder Orthopäden, erproben diese am Leichenpräparat. „Das ist die neue Kompetenz der Anatomie&#8221;, stellt Firbas fest. „Wir bieten die Möglichkeit neue Fertigkeiten zu üben und zu testen, bevor sie am lebenden Menschen eingesetzt werden.&#8221; Neben der Anatomie als Grundlagenfach wird also die postpromotionelle Weiterbildung in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. „Denken Sie nur an die Chirurgie&#8221;, kommt Firbas ins Schwärmen. „Da ging es früher um eine weite Öffnung der Körperhöhlen. Heute steht die minimal-invasive Arbeit im Vordergrund. Da müssen Sie ganz neue Blickwinkel lernen.&#8221;</p>
<p><strong>Früher Beginn</strong><br />
 Im Gegensatz zu den klinischen Fächern beginnt die Ausbildung zum Facharzt für Anatomie eigentlich bereits mit einer Tätigkeit als Demonstrator, während der Studienzeit. „Die eigentliche Facharztausbildung beginnt dann mit der Promotion und dem direkten Einstieg in die Arbeit am Institut&#8221;, erklärt Firbas. Die Ausbildung dauert sechs Jahre. Ein Jahr ist in einem klinischen Fach zu absolvieren, das frei zu wählen ist. Ausbildungsplätze sind derzeit allerdings ausgesprochen rar. Laut Ärztekammerliste ist derzeit überhaupt kein Platz vorhanden. Ein Einstieg ist trotzdem möglich: „Gelegentlich werden Stellen frei durch Berufungen, Versetzungen und Pensionierungen. „Wer sich bewährt und die Kriterien für eine Anstellung erfüllt, kann dann mit einer Dauerstelle rechnen&#8221;, sagt Firbas, der seit 1964 als Anatom tätig ist und für den seine Tätigkeit immer noch Herausforderungen bietet: „Ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.&#8221;</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Anästhesie: Das operative Rückgrat des Krankenhauses</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 08:51:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Facharztserie]]></category>
		<category><![CDATA[Anästhesie]]></category>
		<category><![CDATA[Intensivmedizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Anästhesie und Intensivmedizin bietet ein breites Wirkspektrum &#8211; und sie umfasst heute weit mehr, als die reine Tätigkeit als Narkosearzt. Neben der Tätigkeit im Operationssaal, stellt vor allem die Intensivmedizin, aber auch die Schmerztherapie die MedizinerInnen heute vor eine Fülle neuer und spannender Herausforderungen. Für den Mediziner, der sich für eine Ausbildung zum Facharzt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_187" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-187" title="germann-peter-prof-dr-090409" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/germann-peter-prof-dr-090409.jpg" alt="Univ.-Prof. Dr. Peter Germann" width="151" height="100" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 161px">Univ.-Prof. Dr. Peter Germann</dd></dl>
<p>Die Anästhesie und Intensivmedizin bietet ein breites Wirkspektrum &#8211; und sie umfasst heute weit mehr, als die reine Tätigkeit als Narkosearzt. Neben der Tätigkeit im Operationssaal, stellt vor allem die Intensivmedizin, aber auch die Schmerztherapie die MedizinerInnen heute vor eine Fülle neuer und spannender Herausforderungen.<span id="more-188"></span></p>
<p>Für den Mediziner, der sich für eine Ausbildung zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin entscheidet, muss allerdings klar sein, dass „man selten der erste Mann oder die erste Frau ist für die Patientinnen ist&#8221;, wie es Prof. Dr. Peter Germann, Anästhesist, Intensivmediziner und bereichsleitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin am AKH Wien im Interview mit der Ärztewoche beschreibt.</p>
<p><strong>Warum haben Sie sich ursprünglich dafür entschieden, das Fach Anästhesie und Intensivmedizin zu wählen?</strong></p>
<p>Germann: Ich war zuerst praktischer Arzt, habe also die Turnusausbildung absolviert und die Ausbildung zum Anästhesisten- und Intensivmediziner als logische Fortsetzung der gesamtheitlichen Betrachtungsweise des Patienten gesehen. Als praktischer Arzt muss man den ganzen Menschen sehen und nicht nur das erkrankte Organ &#8211; das ist auch in der Anästhesie so. Außerdem wollte ich meine Tätigkeit im Spital erweitern. Als Anästhesisten sind wir eine Minderheit in der Medizinerzunft, die dies tut &#8211; den ganzen Menschen sehen. Wir haben eine interessante Tätigkeit im OP, auf der Intensivstation und in der Schmerztherapie. Und die Patienten umfassen das gesamte Spektrum: Vom Frühgeborenen bis zum Greis. Eines muss in unserer Profession allerdings klar sein: Der Patient kommt nicht ins Spital, weil er eine Narkose will, sondern weil er operiert werden muss.</p>
<p><strong>Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?</strong></p>
<p>Germann: Das ist in meinem Fall die Intensivmedizin. Das hat damit zu tun, dass der Anästhesist auf der Intensivstation eine fixe Verortung hat, ein gewisses Heimatgefühl entwickeln kann, während er in den OPs quasi „vagabundierend&#8221; ist. In der Intensivstation kann ich den Patienten von A bis Z behandeln, zusammen mit den anderen Fachkollegen natürlich. Die Narkose ist eine andere Sache, die dauert eine Zeit, und dann ist der Patient wieder weg. Die Arbeit auf der Intensivstation ist dagegen komplexer. Wichtig ist auch die Behandlungsdurchgängigkeit zu betonen d.h. dass ein Anästhesieteam den Patienten auf der Intensivstation als auch im OP betreut.</p>
<p><strong>Wie gehen Sie mit der Belastung um, ständig mit schwerkranken Menschen zu tun zu haben?</strong></p>
<p>Germann: Neben sehr vielen höchst erfreulichen Momenten, muss man als Intensivmediziner auch dramatische und manchmal desaströse Krankheitsverläufe zur Kenntnis nehmen, trotz aller Möglichkeiten, die die moderne Medizin bietet. Dazu kommen aufwendige Gespräche mit den Angehörigen. Durch die intensive Aufarbeitung im gesamten Team, welche manchmal Tage bis Wochen dauert ist es möglich, diese belastenden Ereignisse zu verarbeiten. Fraglos ist bei aller Involvierung in das Geschehen auch eine gewisse „gesunde&#8221; Distanz notwendig. Jeder Intensivmediziner sollte auch unbedingt eine private Rückzugsmöglichkeit haben. Für mich ist das meine Familie.</p>
<p><strong>Welches werden in den kommenden Jahren die großen Herausforderungen für die Anästhesie-/Intensivmedizin sein?</strong></p>
<p>Germann: Die Herausforderungen werden darin bestehen, dass wir den Beginn gewisser Krankheiten und Krankheitsverläufe noch früher erkennen werden. Das wird bereits am Unfallort beginnen oder unmittelbar bei der Einlieferung ins Krankenhaus. Zur Zeit ist es leider noch so, dass wir häufig den Krankheitsverläufen, wie beispielsweise der Sepsis, hinterher laufen und versuchen, durch die Bereitstellung einer komplexen technischen und personellen Infrastruktur, den Organen eine Möglichkeit zur Selbstheilung zu geben. In der Zukunft wird es darum gehen, noch rascher, noch präziser und zielorientierter zu arbeiten. Auch das Monitoring wird besser werden.</p>
<p><strong>Welche Voraussetzungen sollte ein potenzieller Anästhesist unbedingt für dieses Fachgebiet mitbringen?</strong></p>
<p>Germann: Wichtig ist auf jeden Fall, dass er sich selbst nicht zu sehr in den Vordergrund stellt. Er sollte Interesse an der ganzheitlichen Betrachtung der Medizin haben, und in hohem Maße stresstolerant sein. Die Anästhesie und Intensivmedizin stellt das operative Rückgrat des Spitals dar, ist also ein sehr wichtiges Fach, obwohl das vielleicht nach außen nicht immer ganz durchdringt. Es ist auch so, dass man durchaus nicht immer die Wertschätzung erhält, die man gerne hätte. Ein potentieller Anästhesist und Intensivmediziner muss jemand sein, der in der Lage ist diese Anforderungen zu integrieren, jemand, der sich nicht unbedingt auf einen Bereich einengen will, sondern gerne im gesamten Medizinbereich tätig ist. Und es sollte jemand sein, der eine hohe soziale Intelligenz hat und teamfähig ist.</p>
<p><strong>Wie lange dauert die Ausbildung, und wie ist sie aufgebaut?</strong></p>
<p>Germann: Die Ausbildung zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin dauert sechs Jahre, davon haben sie vier Jahre Ausbildung im Fach, zwei Jahre lang müssen sie Gegenfächer absolvieren. Zu diesen gehören verpflichtend internistische und chirurgische Rotationen mit einem Jahr freier Wahl. Man kann empfehlen, z.B. ein halbes Jahr Unfallchirurgie zu machen, ein halbes Jahr Chirurgie und ein Jahr internistisch zu arbeiten, z. B. in der Kardiologie.</p>
<p><strong>Wie gestaltet sich derzeit die Ausbildungssituation?</strong></p>
<p>Germann: Die Ausbildungsplätze werden weniger. Die Ausbildung ist ja auch kategorischer geworden. Es gibt einen genauen Rasterplan, in dem genau vorgeschrieben wird, welche Teile der Ausbildung zu machen sind und ob dieses Ziel erreicht wird. Nach Abschluss der praktischen Ausbildung muss eine Facharztprüfung abgelegt werden. Das bedeutet natürlich nicht nur für den Auszubildenden, sondern auch für die Ausbildner eine höheren Anforderung als früher. Daher wird die Zahl der Auszubildenden auch geringer. Die Krankenhäuser zielen heute immer mehr darauf fertig ausgebildete Fachärzte anzustellen.</p>
<p><strong>Wo sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz am besten?</strong></p>
<p>Germann: Die Uniklinik bietet sicherlich das breiteste Spektrum der Facharztausbildung, da hier viele Techniken erlernt und angewendet werden und das Patientengut die gesamte Bandbreite des Faches umfasst. Ich würde daher jedem raten wollen, zumindest einen Teil der Ausbildung an einer Uniklinik zu absolvieren. Dies ermöglicht den Erwerb von Spezialkenntnissen, die einem später das gesamte Berufsleben hindurch von Nutzen sein können.</p>
<p><strong>Was erwarten Sie sich von der Reform der Ausbildungsordnung, die noch heuer beschlossen werden soll?</strong></p>
<p>Germann: Ich halte es für wichtig, die Ausbildungsdauer im Fach Anästhesie- und Intensivmedizin nicht zu kürzen. Die Gegenfächer sind ebenfalls unbedingt notwendig, da wir die Fachwelt der anderen Kollegen gut verstehen müssen, speziell die der Chirurgen.</p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die beruflichen Chancen fertig ausgebildeter Anästhesie-/IntensivmedizinerInnen?</strong></p>
<p>Germann: Momentan sind die Chancen für junge Kollegen nicht so schlecht. Durch die Einführung des neuen Arbeitszeitgesetzes müssen viele Spitäler neue Ärzte anstellen. Dieser Trend wird für die nächsten Zeit sicherlich noch anhalten, und erst enden wenn in allen Spitälern nach dem neuen Arbeitszeitgesetz gearbeitet werden kann.</p>
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		<title>„Ich will Grenzen überschreiten!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:11:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Dermatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wissenschaft und die Kunst &#8211; zwei Pfeiler für eine Karriere in der Dermatologie „Ich bin ein visueller Typ und liebe die Forschung&#8221;, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Aberer, Fachärztin für Dermatologie an der Meduni Graz die Entscheidung für ihr Fach. Im Gespräch mit der Ärztewoche berichtet die &#8211; nicht nur in der Dermatologie engagierte &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_121" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-121" title="aberer-elisabeth" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/aberer-elisabeth.jpg" alt="Prof. Dr. Elisabeth Aberer" width="175" height="246" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Prof. Dr. Elisabeth Aberer</dd></dl>
<p>Die Wissenschaft und die Kunst &#8211; zwei Pfeiler für eine Karriere in der Dermatologie</p>
<p>„Ich bin ein visueller Typ und liebe die Forschung&#8221;, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Aberer, Fachärztin für Dermatologie an der Meduni Graz die Entscheidung für ihr Fach.<span id="more-102"></span></p>
<p>Im Gespräch mit der Ärztewoche berichtet die &#8211; nicht nur in der Dermatologie engagierte &#8211; Medizinerin, warum sie eigentlich Sängerin und Tänzerin werden wollte und wie sie die Kraft für ihren anstrengenden Beruf findet.</p>
<p>Wann wussten Sie, dass Sie Ärztin werden wollten?</p>
<p>Aberer: Ich glaube, da war ich 15 Jahre alt. In meiner Familie gab es mehrere schwere Krankheitsfälle. Diese Ohnmacht, daneben stehen zu müssen und nichts tun zu können, hat sicherlich wesentlich zu meiner Entscheidung für die Medizin beigetragen. Ich wollte eben nicht nur zuschauen sondern selbst helfen.</p>
<p>Warum wollten Sie Ärztin werden?</p>
<p>Aberer: Abgesehen von der persönlichen Betroffenheit hat mich die Medizin vom ersten Augenblick an begeistert. Ich habe gleich gemerkt, das ist das Richtige für mich. Dabei wollte ich &#8211; nach diesem Jugendtraum von der Medizin &#8211; eigentlich etwas ganz Anderes machen: Ich bin ein sehr musikalischer Mensch, habe viele Jahre lang Klavier gespielt, Gesangsunterricht genommen und getanzt. Am liebsten wäre ich Ärztin und gleichzeitig Opernsängerin geworden. Das ist sich aber dann nicht ausgegangen.</p>
<p>Welche „Stolpersteine&#8221; waren auf ihrem Karriereweg zu überwinden?</p>
<p>Aberer: Schwierig war der Weg zum Fach. Ich wollte ursprünglich Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen werden, das ging damals nicht, weil es hieß „die nehmen keine Frauen&#8221; (Aberer hat in Graz studiert; Anm.). Dann habe ich mich für die Pädiatrie entschieden. Allerdings haben mir die kranken Kinder so leid getan &#8211; das hätte ich sicherlich nicht ein ganzes Berufsleben lang ausgehalten. Letztlich bin ich mir bewusst geworden, dass die Dermatologie das perfekte Fach für mich ist.</p>
<p>Warum haben Sie sich für die Dermatologie entschieden?</p>
<p>Aberer: Ich bin ein sehr visueller Typ, ich schaue gern, verfüge über ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen, bin akribisch und neugierig &#8211; die ideale Kombination für die Dermatologie. Auch die Forschung hat mich immer fasziniert. Anfangs habe ich mich sehr viel mit Dermatopathologie befasst. Mein Spezialthema war über ein Jahrzehnt die Suche nach dem Nachweis von Borrelien in der Haut. Das war ein harter Weg mit vielen Anstrengungen und viel Verzicht. Diese Arbeit hat mir viel abverlangt. Aber letztlich ist es mir gelungen.</p>
<p>Sie sind in Ihrem Beruf sehr engagiert &#8211; wie geht sich da ein Privatleben aus?</p>
<p>Aberer: Es ist alles eine Frage der Organisation. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Mein Mann unterstützt mich in allen Belangen, was für die Stabilität der Familie sehr wichtig ist. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Für mich war immer klar, das Wohl der Kinder steht im Vordergrund, das bedeutet für den Beruf, immer wieder Kompromisse eingehen zu müssen. Wenn ein Kind krank wird, ist die ganze mühsam organisierte Einteilung nämlich beim Teufel. Nach schlaflosen Nächten wieder an die Arbeit zu gehen, kostet sehr viel Kraft.</p>
<p>Und wie holen Sie sich diese Kraft wieder zurück?</p>
<p>Aberer: Die Musik gibt mir Kraft. Ich bin oft spätabends, wenn die Kinder geschlafen haben, Klavier spielen gegangen, habe viele Jahre lang Hausmusik-Abende veranstaltet und singe in einem Chor. Das ist Zeit für mich selbst, die mir sehr viel Kraft gibt. Die zweite Kraftquelle war für mich immer die Bewegung: Ich tanze sehr gerne, etwa Jazztanz, auch das füllt meine Reserven wieder auf.</p>
<p>Neben Ihrer Tätigkeit als Dermatologin haben Sie sich mit Spiritualität im Krankenhaus beschäftigt, warum?</p>
<p>Aberer: Die Menschen, die zu uns kommen, sind sehr bedürftig. Sie haben Angst, brauchen Trost und Zuspruch. Ich sehe als Ärztin nicht nur die Krankheit, sondern auch den Menschen der dahintersteckt. Mir ist es wichtig, den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen. Deshalb habe ich mir in einem fünfjährigen Theologiekurs Kenntnisse erworben, die mir helfen auch als „Seelsorgerin&#8221; tätig zu sein, zehn Prüfungen und Diplomarbeit inklusive. Ich wollte mehr wissen über die Bedürfnisse des kranken Menschen, woher er kommt, wie er oder sie mit bestimmten Situationen umgeht, um Gespräch und Patientenführung entsprechend anzupassen. Ich habe dabei sehr viel gelernt. Meine Abschlussarbeit hat sich mit pluralistischer Religionstheologie befasst. Ich denke, jeder Mensch, der zu uns kommt, hat seine eigene Geschichte, er hat in seiner Familie bestimmte Dinge und Verhaltensweisen gelernt. Der kann nicht aus seiner Haut. Das müssen wir akzeptieren, ein guter Arzt sollte die Umstände, die den Menschen zu dem gemacht haben, was er zum Zeitpunkt des Krankwerdens ist, unbedingt mit einbeziehen. Die Patientinnen und Patienten honorieren das sehr, die freuen sich, wenn sie mich sehen &#8211; und sie geben mir sehr viel zurück, auch das ist übrigens eine Kraftquelle für mich.<br />
 Neben der seelsorgerischen Tätigkeit bin ich auch Qualitätsmanagerin und habe, gemeinsam mit einem engagierten Team, die ISO-Zertifizierung der Hautklinik erreicht. Das war sehr aufwendig, hat viel Zeit erfordert, hat aber auch zu einem besseren Miteinander der Mitarbeiter und einer klaren Patientenorientierung geführt. Darauf bin ich sehr stolz.</p>
<p>Haben Sie schon einmal eine Niederlage erlebt?</p>
<p>Aberer: Eigentlich ziemlich oft. Ob das jetzt eine Behinderung bei einer bestimmten Arbeit, die man gerade machen will ist, oder die Durchführung eines Projektes sich als schwieriger als ursprünglich geplant herausstellt. Mit Niederlagen muss man umgehen lernen. Das klingt hart, aber in einem engagierten Berufsleben bleiben diese eben nicht aus. Manchmal ist es auch erforderlich, ein bestimmtes Thema, oder ein Forschungsprojekt fallen zu lassen und sich neu zu orientieren. Ich habe immer versucht, neue Wege zu beschreiten, ich habe mir Nischen gesucht, die weniger „umkämpft&#8221; waren &#8211; und damit Erfolg gehabt. Und ich habe mir immer wieder auch „medizinfremde&#8221; Projekte ausgesucht, wie eben die Qualitätssicherung &#8211; dafür habe ich viel Anerkennung bekommen, wohingegen die Konkurrenz bei diesem Projekt nicht sehr groß war.</p>
<p>Wollten Sie schon mal aufgeben?</p>
<p>Aberer: Nein, ich bin eine Kämpfernatur. Es geht immer irgendwie weiter, wenn nicht auf die eine, dann auf die andere Art. Ich musste in meiner Karriere mehrmals von vorne anfangen. Zuerst in Wien, als die alte Hautklinik ins neue AKH übersiedelt ist, mit neuem Team und neuem Chef. Und ich bin mit meinem Mann nach Graz mitgegangen &#8211; das war erneut ein völliger Neubeginn. Geschafft habe ich es immer wieder.</p>
<p>Benachteiligung von Frauen &#8211; haben Sie das auch erlebt?</p>
<p>Aberer: Benachteiligungen gab es immer wieder. Ich weiß aber nicht, ob das jetzt immer etwas mit meinem Frausein zu tun hatte. Ablehnung kommt etwa, wenn ich eine andere Lehrmeinung vertreten habe. Auch bin ich jemand, der für Veränderung steht &#8211; und viele Menschen mögen Veränderungen nicht. Alles was mit Veränderung verbunden ist, kann Angst machen, es kann Machtverlust bedeuten. Das ist gerade für männliche Kollegen oft nicht einfach.</p>
<p>Wie haben Sie sich dagegen zur Wehr gesetzt?</p>
<p>Aberer: Wenn mir Ablehnung entgegenschlägt, macht mich das natürlich betroffen. Ich brauche immer Zeit, um solche Situationen zu verarbeiten. Dann versuche ich es wieder, über einen anderen Weg, eine andere Schiene, um letztlich doch zu dem zu kommen, was ich erreichen möchte. Wenn der Widerstand zu groß ist, hinterfrage ich mich sehr: Macht es überhaupt Sinn weiter zu kämpfen? Manche Prügel, die einem in den Weg geworfen werden, treffen hart &#8211; an denen kaue ich dann schon sehr lange.</p>
<p>Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?</p>
<p>Aberer: Mich fasziniert mein Fachgebiet. Es ist ungeheuer befriedigend, wenn ich eine Diagnose stellen kann, die schwierig zu erarbeiten war. Die Forschungsarbeit die zu einer interessanten Lösung führt &#8211; so etwas macht mich ganz „high&#8221;. Und ich gebe mein Wissen gerne weiter an Studentinnen und Studenten und an junge Ärztinnen und Ärzte. Auch das Feedback von dankbaren PatientInnen ist eine Glücksquelle.</p>
<p>Wie wichtig sind Netzwerke in der Medizin?</p>
<p>Aberer: Ich halte Netzwerke für außerordentlich wichtig, wenn man genügend Zeit mit ihrer Pflege verbringen kann. Nur bei entsprechendem Engagement funktionieren Netzwerke wirklich so, wie man es sich wünscht. Es besteht oft eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch, Netzwerke zu pflegen, weil sie sehr viel Sinn machen und dem zur Verfügung stehenden Zeitbudget. Gerade in der Arbeit mit dem Patienten sind Netzwerke wichtig, deren Funktionieren aber immer auch von den handelnden Personen abhängt. An der Grazer Hautklinik hatten wir viele Jahre lang ein interdisziplinäres Netzwerk für Lupus erythematodes. Wir haben gemeinsam Leitlinien erstellt, das hat toll funktioniert. Netzwerke sind nicht statisch. Man muss immer wieder versuchen, sie zu adaptieren, oder ganz neue Netzwerke aufzubauen.<br />
 Funktionierende Netzwerke erleichtern die Arbeit enorm. Alles, was man im persönlichen Gespräch regeln kann funktioniert auch. Wenn ich beispielsweise im Qualitätsmanagement Dokumente per E-mail aussende, wackelt niemand auch nur mit den Ohren. Wenn man aber mit einem Menschen spricht, schaut die Sache ganz anders aus. Kommunikation ist enorm wichtig. Das wurde mir so richtig erst in den letzten Jahren klar. Früher habe ich mehr für mich allein gearbeitet. Jetzt ist die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen ein essenzieller Bestandteil meiner Arbeit geworden.</p>
<p>Welche Strategien sind zur Karriereplanung wichtig?</p>
<p>Aberer: Ich glaube, man muss das machen, was man gerne macht und gut kann und diese Schiene intensiv verfolgen.</p>
<p>Wenn Sie heute zurück schauen &#8211; was hätten sie anders gemacht?</p>
<p>Aberer: Es gibt nur wenig, das ich anders gemacht hätte. Was ich ein bisschen bereue ist, dass ich die Einladung zu einem Studienaufenthalt in die USA, die ich nach der Promotion erhalten hatte, aus Scheu nicht angenommen habe. Ich habe mir immer gewünscht, mehr Grundlagenforschung zu machen, das ist aber neben der Klinik praktisch unmöglich. Letztlich denke ich aber, der Weg, den ich gegangen bin, war der richtige, weil es der beste Weg war meine Fähigkeiten zu entfalten.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>zur Person:</p>
<p>Prof. Dr. Elisabeth Aberer ist Fachärztin für Dermatologie. Sie ist Oberärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Graz. Seit 2006 führt Aberer zudem in einer interdisziplinären Gruppe „Spiritualität im Krankenhaus&#8221; gemeinsam mit der Krankenhausseelsorge Projekte an der Klinik durch. Als Qualitätsmanagerin hat sie 2006 das ISO-Zertifikat für die Universitätshautklinik erarbeitet. Elisabeth Aberer ist verheiratet und hat drei Kinder.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<item>
		<title>„Internisten waren für mich Götter!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:10:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Innere Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist Dr. Eveline Fasching selbst Fachärztin für Innere Medizin &#8211; mit Leib und Seele Im Juni 2007 wurde sie zur ersten Vizepräsidentin der Ärztekammer für Kärnten gewählt. Sie ist derzeit die einzige Frau in Österreich im Präsidium der Standesvertretung. Im Gespräch mit der Ärztewoche erzählt sie, warum sie lange studiert hat, wieso die Innere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><dl id="attachment_116" class="wp-caption alignleft""><dt><img src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/fasching-eveline-dr-0403.jpg" alt="Dr. Eveline Fasching" title="fasching-eveline-dr-0403" width="175" height="240" class="size-full wp-image-116" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Dr. Eveline Fasching</dd></dl>
<p>Heute ist Dr. Eveline Fasching selbst Fachärztin für Innere Medizin &#8211; mit Leib und Seele</p>
<p>Im Juni 2007 wurde sie zur ersten Vizepräsidentin der Ärztekammer für Kärnten gewählt. Sie ist derzeit die einzige Frau in Österreich im Präsidium der Standesvertretung.<span id="more-101"></span></p>
<p>Im Gespräch mit der Ärztewoche erzählt sie, warum sie lange studiert hat, wieso die Innere Medizin anfangs ein Wunschtraum zu bleiben drohte und was sie als Ärztekammervizepräsidentin erreichen will.</p>
<p>Wann wussten Sie, dass Sie Ärztin werden wollten?</p>
<p>Fasching: Das kann ich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Anlässlich der Berufsberatung vor der Matura &#8211; daran erinnere ich mich noch genau &#8211; habe ich angegeben, ich wolle entweder Sekretärin oder Ärztin werden. Warum ich mich für diese beiden gegensätzlichen Berufswege ausgesprochen habe, weiß ich jetzt allerdings nicht mehr. Ich habe zuerst auch alles mögliche andere studiert: BWL und Sport. Erst dann inskribierte ich für Medizin. Für die Vorklinik brauchte ich viel Zeit, weil ich daneben immer sehr viel gearbeitet habe, als Anzeigenverkäuferin ebenso wie als Stubenmädchen. Meine Mutter, die mich und meinen Bruder alleine großgezogen hat, konnte mich finanziell nicht unterstützen.</p>
<p>Warum haben Sie sich für die Innere Medizin entschieden?</p>
<p>Fasching: Die Innere Medizin war für mich immer die Königsdisziplin. Während des Studiums und des Turnus allerdings habe ich nicht einmal an eine Ausbildung in diesem Fach zu denken gewagt. Internisten, das waren für mich die Götter. Ich dachte immer: Wow sind die gescheit! Nach dem Turnus machte mich mein Chef auf eine offene Ausbildungsstelle für Innere Medizin aufmerksam und drängte mich, mich darauf zu bewerben. Er sagte: Du musst das einfach tun! Also habe ich mich beworben. Die Ausbildung begann in Tamsweg. Mein Arbeitsvertrag lief über 18 Monate, und die Stelle habe ich nur bekommen, weil der Mann, der sie eigentlich erhalten sollte, mit dem Turnus noch nicht fertig war und dazu noch seinen Wehrdienst absolvieren musste.</p>
<p>„Stolpersteine&#8221; auf dem Weg?</p>
<p>Fasching: Meine Ausbildungszeit war sicher schwierig. Nach 18 Monaten musste ich das Krankenhaus Tamsweg verlassen. Mein Weg führte mich über die Sozialversicherung der Bauern nach Bad Gastein und Bad Hall. Das ist 250 km von meinem Wohnort entfernt. Ich wurde also zur Wochenpendlerin. Das war hart. Auch die Zeit, als mein Sohn klein war, war &#8211; trotz Unterstützung durch meine Mutter und meine Schwiegereltern &#8211; schwierig. Wenn ich nach einem Wochenenddienst nach Hause kam und er hat mich nicht mehr erkannt, da habe ich mich oft schon hin- und hergerissen gefühlt.</p>
<p>Ärztin und Privatleben &#8211; geht das überhaupt?</p>
<p>Fasching: Das geht natürlich. Ich habe meinen Partner, der mich unterstützt und meinen Sohn, der mittlerweile 16 ist. Meine Mutter wohnt zwar nicht bei uns im Haus, ist aber auch immer für uns da. Und ich kann mich mit meinen Hobbies sehr gut entspannen, Schi fahren, Tennis spielen und schwimmen. Es ist ja auch nicht immer gleich schwierig. Es gibt Zeiten, in denen man vor Arbeit kaum ein noch aus weiß und vielleicht privat auch noch Schwierigkeiten zu bewältigen sind. Es kommen aber immer wieder auch Zeiten, wo alles rund läuft.</p>
<p>Wollten Sie schon mal aufgeben?</p>
<p>Fasching: Es hat immer wieder Zeiten gegeben, wo ich gedacht habe, jetzt geht es nicht mehr weiter. Es ist aber immer weiter gegangen (lacht). Wirklich aufgeben wollte ich nie. Dazu liebe ich meinen Beruf viel zu sehr.</p>
<p>Was mögen Sie an Ihren Beruf?</p>
<p>Fasching: Was mich an mir selbst fasziniert ist: Ich gehe ins Krankenhaus hinein und denke stundenlang nicht, dass es ein Draußen gibt. Das Krankenhaus ist die Welt, in der ich mich wohlfühle, in der ich zu Hause bin. Ich mag und respektiere meine Patienten &#8211; und ich habe viel Verständnis für sie.</p>
<p>Was war die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?</p>
<p>Fasching: Der Aufbau der Herz-Kreislauf-Rehabilitationsstation im Privatsanatorium Althofen vor drei Jahren, an dem ich als Oberärztin tätig bin. Diese Abteilung ist die einzige derartige Einrichtung in Kärnten. Darauf bin ich heute noch sehr stolz.</p>
<p>Wie kam es zu Ihrem Engagement in der Ärztekammer?</p>
<p>Fasching: Ende 2006/Anfang 2007 waren die WahlärztInnen in ganz Österreich ausgesprochen unzufrieden mit ihrer Situation. Wir gründeten im Jänner 2007 den Verein „Wahlärzte Kärnten&#8221;, der eng mit dem Verein Wahlärzte Österreich unter Christoph Reisner kooperiert, und wir haben auf Anhieb bei den Ärztekammer-Wahlen einen Stimmenanteil von 18 Prozent erzielt. Nach dem großartigen Wahlerfolg hat mich unser Vorsitzender Peter Wellik zur Vizepräsidentin vorgeschlagen &#8211; damit war der Weg für mich frei. Einmal mehr hatte das Schicksal entschieden, wie mein Weg weiter gehen soll. Geplant habe ich in meiner Karriere nur ganz wenig.</p>
<p>Was wollen Sie während Ihrer Präsidentschaft verändern?</p>
<p>Fasching: Ich möchte erreichen, dass in vier Jahren (Ende der Funktionsperiode; Anm.) mindestens zwanzig Prozent der ÄK-Referate mit Frauen besetzt sind. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Thema Kinderbetreuung für Ärztinnen. Da liegt noch vieles im Argen. Das muss man vorsichtig angehen: Schließlich stecken Gesetze und Finanzierbarkeit enge Grenzen. Eine Politik der kleinen Schritte sollte aber zumindest erste Erfolge bringen. WahlärztInnen und SpitalsärztInnen müssen in Zukunft auch entsprechend stärker in allen Ärztekammergremien vertreten sein. Nur so können deren Interessen auch nach außen effizient vertreten werden.</p>
<p>Welche Strategien sind zur Karriereplanung wichtig?</p>
<p>Fasching: Es ist wichtig zu wissen was man will. Man kann viel mehr erreichen, als man sich vorstellt. Eine Karriereplanung ist dazu schon notwendig. Es ist wichtig &#8211; wenn man Kinder will &#8211; wann man die bekommt. Mit vierzig kann es schon zu spät sein. Ich habe zwei Kolleginnen in Kärnten, die das sehr gut gelöst haben, auf die ich sehr stolz bin. Die eine hat ihre Ausbildung absolviert und danach zwei Kinder bekommen. Das ist der unübliche Weg. Während ihres Ausbildung war allerdings nicht an ein Kind zu denken: Sie hatte jeweils nur Einjahresverträge. Jetzt hat sie beides geschafft. Die andere Kollegin hat schon, bevor sie mit dem Fach begonnen hat, zwei Kinder zur Welt gebracht. Auf die bin ich auch sehr stolz.</p>
<p>Wie wichtig sind Netzwerke in der Medizin?</p>
<p>Fasching: Netzwerke sind enorm wichtig. Das gilt sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Hätten mein Partner und ich nicht seine Eltern und meine Mutter an der Seite gehabt, wäre meine Arbeit und die Erziehung meines Sohnes ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Beruflich ist es wichtig, viele Kontakte zu haben, viel miteinander zu reden. Wenn die emotionale Ebene stimmt, ist auch der berufliche Alltag leichter. Gemeinsam kann man auch mehr bewegen. Das ist sicherlich mit ein Grund, warum ich mich der Wahlärztebewegung angeschlossen habe.</p>
<p>Wenn Sie heute zurück schauen &#8211; was hätten sie anders gemacht?</p>
<p>Fasching: Gar nichts. Ich liebe meine Arbeit. Ich gehe gern ins Krankenhaus, ich arbeite gerne mit Patienten. Dazu muss man sich auch abgrenzen können. Sonst geht man seelisch vor die Hunde. Mir gelingt das bislang noch recht gut.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>Zur Person:</p>
<p>Dr. Eveline Fasching promovierte 1994. Ihre Facharztausbildung schloss sie 2004 als Fachärztin für Innere Medizin ab. Seit Herbst 2005 war sie am Aufbau der 1.Herz-Kreislauf-Rehabilitationsstation in Althofen in Kärnten mitbeteiligt, in der sie bis heute als Oberärztin tätig ist. Daneben führt sie eine Wahlarztpraxis für Innere Medizin in Friesach. Seit Juni 2007 ist Fasching 1. Vizepräsidentin der Ärztekammer für Kärnten. Eveline Fasching lebt mit ihrem Partner und ihrem Sohn in der Nähe von Althofen.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>„Wie funktioniert dieses Menschenwerk?“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:08:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemeinmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Rabady spielte nicht mit Puppen &#8211; sie verband sie. Heute führt sie eine Landarztpraxis im niederösterreichischen Windigsteig, ist Vizepräsidentin der ÖGAM und Projektleiterin der EBM-Guidelines für AllgemeinmedizinerInnen. Und auch nach über 20 Jahren Berufspraxis ist das Interesse an der Medizin, erstmals geäußert mit vier Jahren, nicht erlahmt &#8211; im Gegenteil. Im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_120" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-120" title="rabady-susanne" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/rabady-susanne.jpg" alt="Dr. Susanne Rabady" width="175" height="207" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Dr. Susanne Rabady</dd></dl>
<p>Die Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Rabady spielte nicht mit Puppen &#8211; sie verband sie.</p>
<p>Heute führt sie eine Landarztpraxis im niederösterreichischen Windigsteig, ist Vizepräsidentin der ÖGAM und Projektleiterin der EBM-Guidelines für AllgemeinmedizinerInnen. Und auch nach über 20 Jahren Berufspraxis ist das Interesse an der Medizin, erstmals geäußert mit vier Jahren, nicht erlahmt &#8211; im Gegenteil.<span id="more-100"></span></p>
<p>Im Gespräch mit der Ärztewoche erzählt die Allgemeinmedizinerin über die Anfänge als Landärztin, warum sie die Arbeit an der EBM-Guidelines als Zeit für sich begreift und wieso sie schon einmal alles „hinschmeißen&#8221; wollte.</p>
<p>Wann wussten Sie, dass Sie Ärztin werden wollten?</p>
<p>Rabady: Eigentlich schon als Kind. Meine Freundinnen haben mit Puppen gespielt, ich habe sie untersucht und verbunden. Später standen eine Weile andere Interessen im Vordergrund. Ich habe dann auch nicht gleich nach der Matura Medizin studiert, sondern Germanistik und Theaterwissenschaft belegt. Allerdings hielt ich mich schon damals &#8211; eine Freundin studierte Humanmedizin &#8211; mehr an der medizinischen Fakultät auf als an der geisteswissenschaftlichen. Ein spontaner Entschluss führte letztlich zur Aufnahme des Medizinstudiums &#8211; und mein Interesse daran, wie „dieses Menschenwerk&#8221; denn funktioniert.</p>
<p>„Stolpersteine&#8221; auf dem Weg?</p>
<p>Rabady: Schwer zu sagen. Ich habe meine Arbeit immer sehr gern gemacht, auch während meiner Ausbildungszeit an einer internen Station eines kleinen Landspitals. Benachteiligungen habe ich da nicht erlebt: Wir mussten alle gleich viel arbeiten. Die Führung einer Landarztpraxis ist aber nach wie vor für einen Mann einfacher &#8211; schon weil die meisten eine Ehefrau haben, die den Haushalt schupft und in der Ordination mitarbeitet &#8211; ich habe keine Ehefrau, da war die Organisation natürlich schon schwieriger, auch wenn mich mein Mann immer sehr unterstützt hat. Karriere hemmend war sicherlich, dass ich zu Ende des Turnus deutlich älter war als die Kollegen, bedingt durch den späteren Studienbeginn, und die Zeit, in der ich meine beiden Kinder bekommen habe und zwei Jahre in Karenz war. Bereut habe ich das aber trotzdem nicht.</p>
<p>Ärztin und Privatleben &#8211; geht das überhaupt?</p>
<p>Rabady: Es geht. Es ist allerdings immer auch eine Frage der Sichtweise: Für mich ist beispielsweise die Arbeit an den EBM-Guidelines für Allgemeinmediziner durchaus Zeit für mich, es ist aber keine Freizeit und auch keine Zeit für meinen Mann und meine Söhne. Ich denke allerdings, dass meine Arbeit mit Familie noch leichter zu vereinbaren ist, als etwa die Tätigkeit in einer Fabrik. Ich habe die Möglichkeit, Leistung zu zu kaufen &#8211; ich muss nicht waschen und bügeln. Eine Fabrikarbeiterin kann das nicht. Schwieriger ist da schon das Einhalten von familiären Ritualen wie dem gemeinsamen Essen oder Einschlafritualen &#8211; da kommt es oft vor, dass das Telefon läutet und ich weg muss. Mein älterer Sohn hat als kleines Kind mal zu mir gesagt: „Mama, wenn ich groß bin, heirate ich keine Ärztin!&#8221; Ganz schwierig wird es, wenn ein familiärer Notfall gleichzeitig mit einem medizinischen auftritt. Auch das ist mir einmal passiert. Die Rettung rief an und erklärte mir, dass a) mein Sohn verschwunden sei und b) ein Herzinfarktpatient dringend meine Anwesenheit erforderlich mache. Ich bin zum Herzinfarktpatienten gefahren und habe felsenfest darauf vertraut, dass meinem Sohn nichts passiert ist. Vorher rief ich noch eine Freundin an, die ihn suchen sollte. Es ist nichts passiert: Der Herzinfarktpatient kam zu seinem Recht, mein Sohn war bei einem Freund und hatte nicht Bescheid gesagt. Aber ich bin da schon sehr mit mir selbst in Konflikt geraten. Es sind ja die Frauen, die die familiären Strukturen aufrecht erhalten. Für mich war nie die Arbeitsbelastung ein Problem, wohl aber die physische Präsenz zu Hause. Das ist wohl auch der Grund, warum in unserem Bezirk von 20 LandärztInnen nur zwei Frauen sind. Seit die Kinder größer sind, gehe ich aber sehr wohl wieder fort, komme zum Lesen und auch zum Sport, aber halt nicht jeden Tag.</p>
<p>Warum Allgemeinmedizin?</p>
<p>Rabady: Das war eher Zufall. Ich wollte Fachärztin für Innere Medizin werden und habe auch die Ausbildung dazu begonnen. Dann sind die Kinder gekommen und die Möglichkeit, eine Landarztpraxis zu übernehmen. Das ging dann sehr rasch. Ich habe mich spontan dazu entschlossen &#8211; ursprünglich hat mich das nicht interessiert. Ich dachte, Allgemeinmediziner wären „Zettelschreiber&#8221; (lacht). Ich hatte keine Ahnung, was für ein vielfältiges Aufgabengebiet mich da erwartet. Ich habe die Übernahme der Praxis auch keinen Tag bereut. Ich war vom ersten Tag an glücklich mit der Entscheidung &#8211; das hat sich bis heute nicht geändert.</p>
<p>Haben Sie schon einmal eine Niederlage erlebt?</p>
<p>Rabady: Irrtümer oder suboptimales Verhalten im Umgang mit PatientInnen bedeuten jedes Mal wieder Niederlagen. Unerwünschte Behandlungsverläufe &#8211; das sind Niederlagen. Im Großen und Ganzen allerdings erinnere ich mich viel eher an positive Dinge,  und vergesse unangenehme Erfahrungen eher schnell.</p>
<p>Wollten Sie schon mal aufgeben?</p>
<p>Rabady: Ja. Immer wieder, aber ganz situativ nach langen anstrengenden Diensten. Ich erinnere mich allerdings an eine Situation, da wollte ich wirklich alles „hinschmeißen&#8221;. Es war nach einem „Bereitschafts&#8221;dienst in der Praxis, drei Nächte und vier Tage hatte ich fast ununterbrochen durchgearbeitet, insgesamt vielleicht sechs Stunden geschlafen. Als ich danach beim Frühstück saß, hörte ich einen Politiker im Radio, der sich darüber beschwerte, dass Allgemeinmediziner ihre Ordis nur 12 Stunden in der Woche offen hielten und damit ihrem Versorgungsauftrag für die Bevölkerung nicht nachkämen. Da habe ich mir gedacht: Jetzt mag ich nimmer. Aber das ging zurück vorüber.</p>
<p>Was war die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?</p>
<p>Rabady: Sicher die EBM-Guidelines www.ebm-guidelines.at; Anm.). Da steckt mein Herzblut drin. Es bedeutet sehr viel Logistik und viel Aufwand einer ganzen Gruppe von AllgemeinmedizinerInnen wie mir, diese Guidelines immer aktuell zu halten. Ich alleine stecke da sicher 20 Arbeitsstunden pro Woche hinein. Ich habe diese Tätigkeit angefangen, weil ich nach Reflexion meiner beruflichen Tätigkeit gesucht habe. Die Arbeit innerhalb des Teams, das sich damit beschäftigt, ist eine tolle Erfahrung und eine Bereicherung. Das alles hält meine Praxis spannend. Ich bleibe lebendig, fresse mich nicht in Routinen und Abläufen fest, das fordert mich immer wieder auf mehreren Ebenen. <br />
 Benachteiligung von Frauen &#8211; haben Sie das auch erlebt?</p>
<p>Rabady: Ich glaube schon, dass Frauen mehr Kränkungen wegstecken, sich ihre Position und die Anerkennung härter erarbeiten müssen. Dazu kommt die Mehrfachbelastung. Ich denke aber, Frauen dürfen nicht in der Opferrolle verharren, da wird sie niemand herausholen. Das können sie nur selbst. Und ich muss auch sagen: Es sind letztlich nur einige Jahre, die wirklich schwierig sind, wenn die Kinder klein sind. Wenn die Arbeit auch Freude macht, und Erfolg bringt, lohnt sich das auch.</p>
<p>Wie wichtig sind Netzwerke in der Medizin?</p>
<p>Rabady: Netzwerke sind Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen, Bestätigung zu erhalten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauennetzwerke besonders gut funktionieren &#8211; wir wissen, unter welchen Belastungen jede Einzelne steht &#8211; das erleichtert die Zusammenarbeit und das Verständnis. Ärztin sein ist ein sehr fordernder Beruf, die Zusammenarbeit in Netzwerken kann sicherlich dem Burnout entgegenwirken.</p>
<p>Woher holen Sie sich Ihre Kraft?</p>
<p>Rabady: Beruflich schöpfe ich Kraft aus dem was ich tue. Ich liebe meine Arbeit. Privat gibt mir meine Familie unheimlich viel Kraft. Meinen Kindern geht es gut, es gibt keine großen Probleme. Der jüngere Sohn will übrigens auch Arzt werden. Und mein Mann ist eine wichtige Kraftquelle: Ohne seine Hilfe hätte ich Arbeit und Familie nie unter einen Hut gebracht. Er ist einfach auch für die Familie emotional eine große Stütze und für die Kinder eine vollwertige Bezugsperson. Ich hatte &#8211; wenn ich phasenweise weniger in der Familie präsent war &#8211; nie das Gefühl, die Kinder zu vernachlässigen, weil mein Mann, er ist ebenfalls Freiberufler da war. Auch meine Schwiegermutter hat uns sehr unterstützt, als die Kinder klein waren. Ich denke auch, dass es sehr viel Sinn macht, wenn Kinder nicht nur die Mutter als Bezugsperson haben, sondern auch andere Menschen, Väter, Großeltern, diese Position einnehmen.</p>
<p>Wenn Sie heute zurück schauen &#8211; was hätten sie anders gemacht?</p>
<p>Rabady: Die Antwort lautet Ja und Nein: Sicherlich hätte ich manches anders gemacht, hätte ich vorher die Konsequenzen gekannt. Vielleicht hätte ich nicht zuerst Germanistik studiert, sondern gleich Medizin. Anderseits möchte ich die Erfahrung nicht missen. Im Nachhinein ist so eine Frage nicht eindeutig zu beantworten: Man ist ja ein Produkt dessen, was man getan hat. Hätte ich manches anders gemacht, wäre ich heute ein anderer Mensch.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>zur Person:<br />
 Dr. Susanne Rabady promovierte 1984 und absolvierte ihren Turnus in Waidhofen/Thaya. 1993 übernahm sie eine Landarztpraxis im niederösterreichischen Windigsteig. Seit 2002 ist Rabady Projektleiterin der EBM-Guidelines Allgemeinmedizin und seit  2003  Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Weiters arbeitet sie  als Betriebsärztin und hat Lehraufträge für Allgemeinmedizin in Wien und Salzburg. Dr. Susanne Rabady ist verheiratet mit dem Veterinärmediziner Dr. Zavar Rabady. Sie hat zwei erwachsene Söhne.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>„Netzwerke sind sehr wichtig“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:06:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie ist past-Presidentin der Östereichischen Diabetesgesellschaft und gegenwärtig Vize-Präsidentin der Österreichischen Geriatriegesellschaft. Sie hat Zusatzausbildungen für Nephrologie, Intensivmedizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen &#8211; und sie leitet die Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus Hochzirl. Die Rede ist von Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner, deren Porträt wir in dieser Ausgabe präsentieren. Im achten Teil unserer Serie „Frauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_119" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-119" title="lechleitner-monika-prim" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/lechleitner-monika-prim.jpg" alt="Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner" width="175" height="263" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner</dd></dl>
<p>Sie ist past-Presidentin der Östereichischen Diabetesgesellschaft und gegenwärtig Vize-Präsidentin der Österreichischen Geriatriegesellschaft. Sie hat Zusatzausbildungen für Nephrologie, Intensivmedizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen &#8211; und sie leitet die Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus Hochzirl. Die Rede ist von Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner, deren Porträt wir in dieser Ausgabe präsentieren.<span id="more-99"></span></p>
<p>Im achten Teil unserer Serie „Frauen in der Medizin&#8221; berichtet Monika Lechleitner über Siege und Niederlagen und ihr Engagement für den Fachbereich Geriatrie, der ihr ein großes Anliegen ist &#8211; und das nicht nur aus demographischen Gründen.</p>
<p>Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ärztin zu werden?</p>
<p>Lechleitner: Das war nach meiner Matura. Ich wollte soziales Engagement mit Naturwissenschaft verbinden. Ich wollte einen Beruf, in dem ich Menschen helfen kann. Die Medizin war da die logische Schlussfolgerung.</p>
<p>Gab es „Stolpersteine&#8221; auf Ihrem Weg?<br />
 Lechleitner: Wie bei vielen Kolleginnen und Kollegen natürlich auch. Ich habe 1979 sub auspiciis praesidentis promoviert. Aber bereits die Suche nach einer Ausbildungsstelle stellte mich vor eine Herausforderung. Schon damals war die Möglichkeit, eine Ausbildungsstelle zu erhalten, mit einigen Hürden verbunden, einschließlich eines erschwerten Zugangs für Frauen aufgrund von Vorurteilen, dass eine nur bedingte Eignung für einige Subdisziplinen vorliegen würde. <br />
 Ich wollte ursprünglich Kinderärztin werden, in der Ausbildungsrotation wurde die Innere Medizin zum Schwerpunkt meines Interesses, und in Folge ergab sich auch die Möglichkeit, eine Facharztausbildungsstelle zu erhalten.</p>
<p>Warum haben Sie sich für das Fach Innere Medizin entschieden?</p>
<p>Lechleitner: Die Innere Medizin bietet eine große Anzahl an Herausforderung mit einem ganzheitsmedizinischen Aspekt. Es ist ein sehr breites Fach, mit der Möglichkeit, sich mit vielen verschiedenen Themen zu befassen. Der Wissenszuwachs und die technischen Entwicklungen haben zur Etablierung einer Reihe von  Spezialgebieten, wie etwa Kardiologie, Onkologie, Gastroenterologie, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen geführt. Die Innere Medizin mit ihrem breiten Spektrum sieht &#8211; im Idealfall &#8211; jedoch nach wie vor den ganzen Menschen mit all seinen Beschwerdebildern. Das faszinierte mich als ich das Fach gewählt habe &#8211; die Faszination ist auch nach vielen Jahren Tätigkeit &#8211; und bei aller Spezialisierung &#8211; die gleiche geblieben.</p>
<p>Sie haben eine ganze Reihe von Zusatzfacharztausbildung absolviert &#8211; warum?</p>
<p>Im Rahmen der beruflichen Zielplanungen sind diese Zusatzausbildungen wichtig, um in Teilgebieten der Inneren Medizin ein vertieftes Wissen und Können zu erlangen. Im Fall einer leitenden Funktion ist diese Ausbildung von großem Nutzen, um einem Anforderungsprofil zu entsprechen. Von Seiten der Gewichtung kommt den Schwerpunktgebieten Diabetes und Geriatrie eine kontinuierliche und grundlegende Bedeutung in meinem beruflichen Umfeld zu.<br />
 Viele Überschneidungen ergeben sich aus dem Bereich des Diabetes mellitus auch <br />
 zur Geriatrie, denn bis zu einem Drittel der älteren Bevölkerung weist eine Störung im Glukosemetabolismus auf. Die Geriatrie gewinnt durch die demographische Entwicklung an Bedeutung, ein Großteil der Patienten in Notfallaufnahmen und in stationären Bereichen sind geriatrische Patienten. Die Geriatrie ist dabei ein integrativer und verschiedene Disziplinen überspannender Fachbereich, der auf die besonderen Bedürfnisse des älteren Patienten Bezug nimmt. Um eine adäquate Versorgung der älteren Patienten zu gewährleisten, ist es ein wichtiges Ziel, geriatrische Inhalte im Medizinstudium und in der postpromotionellen Ausbildung zu verankern, wie es bereits in vielen EU-Ländern der Fall ist.</p>
<p>Sie sind sehr engagiert &#8211; bleibt da Zeit für Privatleben?</p>
<p>Lechleitner: Das Privatleben kommt, wie in anderen Berufssparten auch, in der Medizin in einer leitenden Funktion oft zu kurz. Prinzipiell würde ich aber sagen, es hilft, Prioritäten zu setzen und zu überdenken. Meine Priorität liegt grundsätzlich im beruflichen Bereich. Ich denke aber, dass auch ein Privatleben möglich bleiben muss, wenngleich  eine Großfamilie und eine wissenschaftliche Karriere parallel nur schwer umsetzbar sein werden. Ich entspanne mich beim Lesen, mache Sport und pflege meine Sozialkontakte. Mit guter Planung ist vieles möglich.</p>
<p>Was war die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?</p>
<p>Lechleitner: Das war sicherlich das Ziel der Habilitation. Voraussetzung dafür ist eine kontinuierliche wissenschaftliche Tätigkeit, mit einer Reihe von entsprechenden Publikationen, sowie die Lehrtätigkeit. Für den Kliniker erfordert die wissenschaftliche Arbeit meist auch den Einsatz in der Freizeit.<br />
 Der Einsatz lohnt sich aber hundertprozentig, da die notwendige Disziplin und das strukturierte Planen in vielen Bereichen von Vorteil sind. Ich sehe es deshalb als Privileg, dass ich diese Möglichkeit nutzen konnte (Monika Lechleitner hat sich 1994 habilitiert, Anm.)</p>
<p>Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?</p>
<p>Lechleitner: Viele Aspekte sind dabei als gleichrangig anzuführen. Allen voran die Tätigkeit mit den Patienten und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, die Teamarbeit im Krankenhaus. Auch die wissenschaftliche Arbeit, die klinische Forschung, die Mitarbeit an Studien spielt eine wichtige motivierende Rolle. Wichtig ist das Feedback im Rahmen von Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen</p>
<p>Wie gehen Sie mit Niederlagen um?</p>
<p>Lechleitner: Niederlagen tun weh, egal ob es in der Patientenversorgung ist &#8211; etwa wenn eine Therapie nicht wie gewünscht anspricht &#8211; oder ob es in der wissenschaftlichen Arbeit ist &#8211; wenn ein Paper beispielsweise nicht angenommen wird. Niederlagen bieten aber auch Chancen &#8211; die Chance es beim nächsten Mal besser zu machen. Der Versuch einen positiven Aspekt mit der Möglichkeit zur Entwicklung und Verbesserung darin zu sehen, hilft dabei, aus Niederlagen zu lernen.</p>
<p>Wollten Sie schon einmal aufgeben?</p>
<p>Lechleitner: Nicht wirklich. Natürlich gibt es Augenblicke, die deshalb schwer sind, weil eine Reihe von Problemen gleichzeitig auftreten, wo Dinge massiv in Frage gestellt werden. Für mich stellt allerdings das positive Feedback von Patienten und Mitarbeitern einen stetigen Motivationsfaktor dar.</p>
<p>Wenn Sie heute zurück schauen &#8211; was hätten Sie anders gemacht?</p>
<p>Lechleitner: Ich hätte meine Auszeiten, meine Freizeit besser geplant und bewusster in Anspruch genommen. Wer seine Arbeit liebt, neigt dazu, Freizeitaktivitäten zu vernachlässigen und ganz in seiner Tätigkeit aufzugehen.</p>
<p>Karriere in der Medizin ist für Frauen noch immer schwieriger als für Männer, wie war das bei Ihnen?</p>
<p>Lechleitner: Im Vergleich zu den männlichen Kollegen mangelt es Frauen in der Medizin nach wie vor an den etablierten Seilschaften und damit Unterstützung, wie sie bei Männern ganz selbstverständlich ist. Auch das Networking bleibt unter Frauen immer wieder in den Kinderschuhen stecken. Das ist aber auch kein Wunder: Die meisten Frauen sind nach wie vor doppelt- und dreifachbelastet, da bleibt für Entwicklungen zusätzlich zur eigentlichen Berufsausübung und den Aufgaben in der Familie kaum Zeit.</p>
<p>Wie haben Sie sich gegen Benachteiligungen zur Wehr gesetzt?</p>
<p>Lechleitner: Ich halte intensive Kommunikation für das wichtigste Mittel gegen Benachteiligung: Kommunikation mit Kollegen und Kolleginnen aus ähnlichen Fachgebieten ist sinnvoll, um einen Erfahrungsaustausch durchzuführen und junge Kolleginnen und Kollegen über Problemstellungen zu informieren. Auch das Engagement in Fachgesellschaften ist wichtig, um sowohl medizinische, als auch gesundheitspolitische Schwerpunkte zu präsentieren und zu vertreten.</p>
<p>Was raten Sie jungen Kolleginnen für eine optimale Karriereplanung?</p>
<p>Lechleitner: Zuerst würde ich sagen, die Planung selbst &#8211; die berufliche Laufbahn in der Medizin, ob niedergelassene Ärztin oder wissenschaftliche Laufbahn in der Klinik, setzt unterschiedliche Ansatzpunkte voraus. Beharrlichkeit, aber auch Kompromissbereitschaft sind dabei immer wieder notwendig. Es ist jedoch vor allem wichtig, sich einen Chef oder eine Chefin zu suchen, die bewusst junge Kolleginnen und Kollegen fördert. Und nicht zuletzt glaube ich, dass der Aufbau eines Netzwerks eine wesentliche Rolle für die weitere Karriere spielt.</p>
<p>Sie haben schon sehr viel erreicht &#8211; was sind die nächsten Schritte?</p>
<p>Lechleitner: Im Mittelpunkt steht für mich derzeit und in Zukunft mein Engagement für die Geriatrie und natürlich weiterhin der Diabetes. Das trifft nicht nur meine persönlichen Interessen, es ist auch, wenn man die demographische Entwicklung betrachtet, zukünftig von großer Bedeutung.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>„Zur Person&#8221;:<br />
 Prof. Dr. Monika Lechleitner promovierte 1979 an der Universität Innsbruck sub auspiciis praesidentis. Ihre Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck schloss sie 1986 ab. 1994 habilitierte sich Lechleitner zum Theme der Lipidakkumulation in Geweben. <br />
 Sie absolvierte vier Zusatzausbildungen: Endokrinologie, Intensivmedizin, Nephrologie und Stoffwechsel, 2006 bis 2007 war Lechleitner Präsidentin der Österreichischen Diabetesgesellschaft. Seit 1. Jänner 2008 ist sie Vize-Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie. Sie ist zudem im Vorstand der Österreichischen Adipositasgesellschaft. Seit 2005 leitet Monika Lechleitner die Abteilung für Innere Medizin und Akutgeriatrie am Landeskrankenhaus in Hochzirl.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<item>
		<title>„Gott sei Dank, endlich eine Frau, die sich das zutraut!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:04:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Dr. Karoline Kahn, die erste Primaria einer Gynäkologie im deutschsprachigen Raum Sie musste die größte gynäkologische Operation „zur Probe&#8221; durchführen, bevor man sie zum Abteilungsvorstand im Kaiser Franz Josef Spital kürte: Dr. Karoline Kahn bestand die Prüfung mit Bravour und musste sich dafür Spott und Häme anhören. Im Gespräch mit der Ärztewoche berichtet Dr. Karoline [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dr. Karoline Kahn, die erste Primaria einer Gynäkologie im deutschsprachigen Raum</strong></p>
<p>Sie musste die größte gynäkologische Operation „zur Probe&#8221; durchführen, bevor man sie zum Abteilungsvorstand im Kaiser Franz Josef Spital kürte: Dr. Karoline Kahn bestand die Prüfung mit Bravour und musste sich dafür Spott und Häme anhören.<span id="more-98"></span></p>
<p>Im Gespräch mit der Ärztewoche berichtet Dr. Karoline Kahn, die seit 1994 in Pension ist, über den Wirbel um ihre Bestellung zur Primaria, über die Wichtigkeit einer gleichberechtigten Partnerschaft und über ihre Liebe zum Fach &#8211; auch wenn sie eigentlich zuerst Mathematikerin werden wollte.</p>
<p>Warum wollten Sie Ärztin werden?</p>
<p>Kahn: Das wollte ich ursprünglich gar nicht. Meine Mutter wollte, dass ich Kinderärztin werden. Ich wollte eigentlich lieber Mathematik studieren. Bei der Immatrikulation 1950 habe ich mich dann aber doch für die Medizin entschieden. Nach der Promotion 1957 habe ich mich für einen Ausbildungsplatz auf der Gynäkologie im Kaiser Franz Josef Spital beworben. Die Wartezeit betrug damals vier Jahre, also absolvierte ich meinen Turnus zum praktischen Arzt und stieg dann in die Ausbildung ein. Ich wollte unbedingt in ein chirurgisches Fach, die große Chirurgie war aber damals für Frauen unmöglich &#8211; also wurde es die Gynäkologie.</p>
<p>Und nach der Ausbildung?</p>
<p>Kahn: Ich blieb als Dauersekundarärztin, ich glaube, das gibt es heute gar nicht mehr, am KFJ. Und als ein Oberarztposten frei wurde, habe ich mich &#8211; damals schon unter Prof. Grünberger &#8211; darum beworben. Als über die Stelle entschieden worden war, lag ich gerade &#8211; frisch operiert &#8211; im Krankenbett. Mein Chef hat mich aufgesucht und gesagt: „Naja, ich weiß schon, dass Sie gut operieren können. Aber die Frauen habe ich nicht so gern in meinem Fach.&#8221; Die Stelle habe ich mir trotzdem bekommen. Ich war dann zehn Jahre Oberärztin bei ihm &#8211; bis er in Pension gegangen ist. Da hat er mich dann gefragt, ob ich mich nicht um seine Nachfolge bewerben will. Und das habe ich dann auch getan.</p>
<p>Da ging dann der Wirbel los?</p>
<p>Kahn: Das kann man wohl sagen (siehe Zeitungsausschnitte auf dieser Seite). Ich war unter allen Bewerbern nicht nur die einzige Frau, sondern auch die einzige Nicht-Klinikerin. Politische Einflussnahme (die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal befürwortete die Bestellung Kahns; Anm. der Red.) war noch das Geringste, das mir vorgeworfen wurde. Johanna Dohnal hat übrigens angesichts meiner Bewerbung gesagt: „Gott sei Dank! Endlich eine Frau, die sich das zutraut!&#8221; Die Medien haben geschrieben, ich würde die Position aus politischen Motiven erhalten, ich sei eine schlechte Ärztin, etc. Mitten in dem ganzen Trubel kam mein Chef &#8211; der mir übrigens ein glänzendes Zeugnis für meine Bewerbung geschrieben hat &#8211; zu mir und sagte: „Die wollen, dass Sie einen Wertheim operieren, unter Beobachtung! Sind Sie dazu bereit!&#8221; Und ob ich das war. Ich hatte diese Operation schon oft durchgeführt, zum Unterschied von vielen Klinikern. Mein Beobachter war der damalige Leiter der Semmelweisklinik, Alfred Rockenschaub. Der sagte nach dieser Operation zu mir: „So schön wie bei Ihnen habe ich das überhaupt noch nie gesehen!&#8221; Damit war diese Sache dann auch erledigt.</p>
<p>Wie sind Sie mit all den Anwürfen umgegangen?</p>
<p>Kahn: Es war eine schwierige Zeit. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, habe auch überlegt Klage zu erheben. Aber der alte Dr. Stern (ein legendärer Wiener Rechtsanwalt, Anm.) hat mir davon abgeraten. Er hat zu mir gesagt: „Schauen Sie, sitzen Sie das aus &#8211; in sechs Monaten ist das alles vorbei!&#8221;</p>
<p>Und hatte er recht?</p>
<p>Kahn: Ja. Ein halbes Jahr nach meiner Bestellung war Ruhe.</p>
<p>Zu dieser Zeit ergreift Dr. Peter Kahn, Internist und Nuklearmediziner und seit mehr als 50 Jahren Ehemann von Dr. Karoline Kahn, das Wort:</p>
<p>Peter Kahn: Ich habe mich über die Bewerbung meiner Frau gefreut und habe sie bewundert, weil sie so tüchtig war und ihren Kopf durchgesetzt hat. Ich habe ihr das natürlich zugetraut und sie bestärkt. Ich war mir sicher, sie wird diese Schmutzkübelkampagne vertragen ohne einen Schaden davon zu tragen. Alle Artikel, die nach ihrer Bestellung erschienen sind, waren übrigens voll der Bewunderung für die Arbeit meiner Frau.</p>
<p>Wollten Sie in dieser Zeit jemals aufgeben?</p>
<p>Kahn: (überzeugt) Nein. Nie. Ich war entschlossen, das zu machen und nur weil da jetzt böse Leute auf mich los gehen, gebe ich sicher nicht auf, justament nicht. Zudem ist mein Team an der Abteilung felsenfest hinter mir gestanden. Alle haben mich bestärkt. Außerdem weiß man ja nie, welcher Chef nachkommt &#8211; da habe ich mir gedacht, es ist gescheiter, ich mach das selbst. 1980 habe ich meine Ordination im fünften Bezirk, in Spitalsnähe eröffnet.</p>
<p>Sie haben nach dem Studium eine Tochter bekommen &#8211; war der Spagat zwischen Kind und Job schwierig?</p>
<p>Kahn: Nein, weil mein Mann und ich uns das immer aufgeteilt haben. Wenn ich Nacht- oder Wochenenddienste hatte, hat er unsere Tochter versorgt. Das war problemlos.</p>
<p>Noch einmal meldet sich Herr Dr. Kahn zu Wort:<br />
 Wissen Sie, wenn man einen Harn analysieren kann, kann man auch Essen für die Tochter machen, wickeln, füttern und spazieren gehen. Das ist wirklich keine Hexerei.</p>
<p>Hatten Sie je das Gefühl, aufgrund Ihres Frau-Seins benachteiligt zu werden?</p>
<p>Kahn: Eigentlich nicht, obwohl mir natürlich schon bewusst war, dass ich die erste Primaria einer Gynäkologie im gesamten deutschsprachigen Raum war. Und es war natürlich auch klar, wenn ich meine Position halten will, muss ich mehr arbeiten und fleißiger und besser sein, als die männlichen Kollegen, um die gleiche Anerkennung zu erhalten.</p>
<p>Auf welche Erfolge sind Sie stolz?</p>
<p>Kahn: Wir haben die sanfte Geburt propagiert und damals schon mit Moxibution, Akupunktur und Homöopathie gearbeitet. Wir haben auch die Väter erstmals zur Geburt zugelassen. Als der erste dann allerdings wie ein Stück Holz umgefallen ist, und wir nicht wussten, um wen kümmern wir uns jetzt, um die Mutter, den Vater oder das Kind, haben wir begonnen, Vorbereitungskurse für Mütter UND Väter zu geben. Wir hatten eine sehr niedrige Sectiorate, sie lag bei vier Prozent, darauf bin ich auch stolz. Und in den 90er Jahren habe ich begonnen, eine Wechselambulanz aufzubauen, da haben uns die Frauen fast die Tür eingerannt. Wir hatten so großen Zulauf, wir mussten ein eigenes Institut aufmachen, das Menosan im 10. Bezirk. Das existiert heute noch, inklusive Kassenverträgen, darauf bin ich auch stolz. Ebenfalls zu Beginn der 90er Jahre begannen wir mit der endoskopischen Operationstechnik einzuführen.</p>
<p>Woher haben Sie sich die Kraft für Ihre Arbeit geholt?</p>
<p>Kahn (blickt ihren Mann an): Aus meiner Familie. Und natürlich auch aus meinem Team im Krankenhaus, das immer 100prozentig hinter mir gestanden ist.</p>
<p>Was raten Sie jungen Kolleginnen, die Karriere in der Gynäkologie machen wollen?</p>
<p>Kahn: Dranbleiben, durchsetzen, bemühen, nicht locker lassen. Um Gespräche mit dem Vorstand bitten, seine Ansichten deponieren, wissenschaftlich arbeiten, um Unterstützung bitten &#8211; von nichts wird nichts.</p>
<p>Führen Frauen anders als Männer?</p>
<p>Kahn: Auf jeden Fall. Ich glaube schon, dass Frauen in meinem Fach mehr Einfühlungsvermögen haben. Ich kenne genug Kollegen, die das nicht so haben. Und es gehört Teamgeist dazu. Ich glaube auch, Frauen haben eher Verständnis für familiäre Situationen als Männer.</p>
<p>Wie sehen Sie aus heutiger Sicht (Dr. Kahn ist seit 14 Jahren in Pension) auf Ihre Karriere zurück:</p>
<p>Kahn: Sehr positiv. Ich freue mich, dass ich das gemacht habe, dass ich nichts Schreckliches erlebt habe und über mein wunderbares Team. Eins habe ich noch vergessen: Anlässlich meiner Pensionierung habe ich das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien erhalten. Eine Würdigung meiner Arbeit &#8211; das war ein guter Abschluss.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<item>
		<title>Eine unermüdliche Streiterin für die Frauen</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:59:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Kardiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[27 Mal hat sich Prof. Dr. Margarethe Hochleitner seinerzeit um einen Ausbildungsplatz an der Universitätsklinik für Innere Medizin beworben. Hartnäckigkeit scheint der renommierten Kardiologin und Vizerektorin der medizinischen Universität Innsbruck bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. Im sechsten Teil unserer Serie „Frauen in der Medizin&#8221; erzählt Hochleitner über ihr Engagement für Ärztinnen, ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><dl id="attachment_118" class="wp-caption alignleft""><dt><img src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/hochleitner-margarethe-pr.jpg" alt="Prof. Dr. Margarethe Hochleitner" title="hochleitner-margarethe-pr" width="175" height="209" class="size-full wp-image-118" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Prof. Dr. Margarethe Hochleitner</dd></dl>
<p>27 Mal hat sich Prof. Dr. Margarethe Hochleitner seinerzeit um einen Ausbildungsplatz an der Universitätsklinik für Innere Medizin beworben. Hartnäckigkeit scheint der renommierten Kardiologin und Vizerektorin der medizinischen Universität Innsbruck bereits in die Wiege gelegt worden zu sein.<span id="more-97"></span></p>
<p>Im sechsten Teil unserer Serie „Frauen in der Medizin&#8221; erzählt Hochleitner über ihr Engagement für Ärztinnen, ihre Liebe zu ihren PatientInnen und warum ein ausgefülltes Privatleben für eine erfolgreiche Karriere wichtig ist.</p>
<p>Wann hatten Sie zum ersten Mal den Wunsch Ärztin zu werden?</p>
<p>Hochleitner: Da war ich ungefähr drei Jahre alt. Mein Vater war Kinderarzt. Ich habe mich in seiner Praxis immer hinter dem Kachelofen versteckt, und ihn bei seiner Arbeit beobachtet. Mich haben damals schon die Patientinnen und Patienten fasziniert.</p>
<p>Haben Sie aus Ihrem Elternhaus Unterstützung erfahren?</p>
<p>Hochleitner: Gar nicht. Meine Eltern waren strikt gegen ein Medizinstudium. Mein Vater wollte, dass ich Geschichte studiere, weil er sich das als junger Mensch nicht gestattet hatte. Meine Mutter &#8211; die aus einer Kaufmannsfamilie stammt &#8211; sah mich auf der Hochschule für Welthandel. Als ich 18 Jahre alt war, ist mein Vater gestorben. Ich habe während meines Studiums von der Waisenrente der Ärztekammer gelebt, mir nie etwas Neues zum Anziehen gekauft und schnell studiert. Dazu kamen auch einige Begabtenstipendium.</p>
<p>Wie haben Sie als Frau Ihr Medizinstudium erlebt (Hochleitner schloss ihr Medizinstudium 1975 ab)?</p>
<p>Hochleitner: Zu meiner Zeit war der Frauenanteil an den medizinischen Fakultäten gering. Das hat sich ausgewirkt: Bemerkungen wie: „Die Schönen heiraten sowieso!&#8221; oder „Gehen Sie nach Hause und lernen Sie kochen!&#8221; habe ich irgendwann einfach nicht mehr gehört. Schwierig wurde es, als ich mich um einen Ausbildungsplatz an der damals einzigen Universitätsklinik für Innere Medizin beworben habe. Erst nach 27 Bewerbungen &#8211; damals bei Prof. Braunsteiner &#8211; habe ich einen Ausbildungsplatz erhalten. Ich war damals regelrecht berühmt als die „die der Braunsteiner nicht haben will&#8221;. Es wurde dann ein wenig leichter, ich war auf der Privatstation tätig und meine Patienten haben mich sehr gern gehabt. Das lief unter dem Motto: Solange die Patienten zufrieden waren, durfte ich dort dienen.</p>
<p>Warum haben Sie sich für Kardiologie entschieden?</p>
<p>Hochleitner: Das Herz-Kreislaufsystem hat mich zeitlebens fasziniert. Als junge Ärztin war ich zudem von den technischen Möglichkeiten, wie Herzkatheter und Herzschrittmacher begeistert. Ich habe mich dann auch mit einer neuen Schrittmacherindikation habilitiert, die heute in der Kardiologie anerkannt und etabliert ist. Ich war übrigens die erste Frau, die sich in Innsbruck für Innere Medizin habilitiert hat. Später war es der Gender-Aspekt, den ich spannend gefunden habe: Die Unterschiede, wie und wann Frauen und Männer Herzerkrankungen aufweisen, der unterschiedliche Umgang der Medizin mit herzkranken Frauen und Männern. Das hat mich interessiert, vor allem aber wollte ich die Benachteiligung, die Frauen auch hier ganz konkret erfahren, zum Thema machen.</p>
<p>Was war die Initialzündung für Ihr feministisches Engagement an der Fakultät?</p>
<p>Hochleitner: Ich wollte immer Medizin studieren, und ich war immer Feministin. Und ich wurde bereits als Kind dazu erzogen, mich zu engagieren. In meiner Familie waren zudem immer alle Frauen berufstätig, schon meine Urgroßmütter und Großmütter. Als ich in der Abteilung für Innere Medizin meine Ausbildung begonnen habe, gab es nur wenige Kolleginnen. Und erstaunlicherweise wurden es damals nicht mehr, sondern immer weniger. Das hat mich schon sehr dazu motiviert, hier etwas zu verändern. Auch alle Universitätsgremien waren &#8211; als ich begonnen habe, mich zu engagieren &#8211; frauenfrei. Ich dachte damals: In jedes Gremium muss unbedingt eine Frau, weil der weitere Frauen nachfolgen werden. Nichts da: Schlussendlich saß ich in den meisten Gremien, und wenn ich diese wieder verließ, wurde wieder ein Mann optiert.</p>
<p>Gab es Situationen, in denen Sie aufgeben wollten?</p>
<p>Hochleitner: Nein &#8211; den Gefallen wollte ich meinen Gegnern nicht tun. Ich bin jemand, den es nervt, Probleme festzustellen und dann nichts zu tun. Ich muss aktiv eingreifen und versuchen, Dinge zu ändern. Natürlich kann ich immer auch scheitern, aber dann kann ich wenigstens sagen: Ich habe es versucht.</p>
<p>Woher nehmen Sie die Kraft für ihr Engagement und ihre Tätigkeit?</p>
<p>Hochleitner: Kraft schöpfe ich bei meinen Patientinnen und Patienten. Hier erfahre ich das Gefühl, gebraucht zu werden, und erhalte emotionale Zuwendung. Ich gehe in der Früh auf Visite, die Patientinnen und Patienten freuen sich, mich zu sehen &#8211; das gibt es in keinem anderen Beruf. Das lässt durchaus auch Berufsärgernisse vergessen. Die Arbeit mit Patientinnen und Patienten ist meine Kraftquelle. Auch aus meinem Privatleben schöpfe ich viel Kraft. Ich lese gern und viel &#8211; das Eintauchen in ein gutes Buch eröffnet mir eine ganz andere Welt. Wenn es mir schlecht geht, lese ich Krimis. Oft merke ich dann erst retrospektiv, wie schwierig eine bestimmte Zeitspanne war, weil ich dann besonders viele Krimis gelesen habe.</p>
<p>Welchen Stellenwert hat ein ausgefülltes Privatleben für Sie?</p>
<p>Hochleitner: Einen sehr großen. Ein Privatleben musst du haben, sonst überlebst du den Job nicht. Das war mir immer möglich, weil ich keine Kinder habe. Ich musste nie diesen Spagat Karriere und Kind bewältigen. Ich wollte auch nie Kinder. Ich denke, mein Leben wäre deutlich schwieriger gewesen mit einem Kind. Obwohl ich sicher bin, es wäre mit Unterstützung meiner Mutter und bezahlter Hilfe möglich gewesen, wenn ich meine Meinung geändert hätte. Heute habe ich drei Patenkinder, die ich sehr mag.</p>
<p>Was raten Sie jungen Kolleginnen?</p>
<p>Hochleitner: Zwei Dinge sage ich jungen Ärztinnen in Ausbildung: Erstens: Habilitation oder Tod! Diese Entscheidung müssen sie sehr früh treffen. Ohne Habilitation ist eine Karriere heute einfach nicht mehr möglich. Zweitens: Versuchen Sie nicht, mit Männern zu konkurrieren, ohne sich auch deren Ressourcen zu versichern. Frauen haben nun einmal keine zuarbeitende Ehefrau, sondern müssen meist alles selbst erledigen. Unter dieser Doppelbelastung das gleiche erreichen zu wollen, wie Männer, ist idiotisch. Ich rate allen Frauen, so viele Leistungen wie möglich zuzukaufen, um sich freizuspielen: Haushaltshilfe, Kinderbetreuung, was immer möglich ist, um sich für ihre Arbeit Zeit und Ressourcen freizuschaufeln. Ich habe das immer getan.</p>
<p>Sie sind seit Oktober 2005 Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichstellung. Was sind Ihre Anliegen?</p>
<p>Hochleitner: Ohne auf den Arbeitsschwerpunkt, nämlich Personal, einzugehen, will ich &#8211; was den Bereich Gleichstellung betrifft &#8211; die Frauen an der Medizinischen Universität fördern. Das tun wir schon mit unserem Mentoring-Programm. Seit 1. Jänner 2007 haben wir ein Wiedereinsteigerinnenprogramm für Medizinerinnen. Damit können wir Frauen, die in Karenz sind, geringfügig anstellen und sie an die Klinik „binden&#8221;. Sie können alle Ressourcen nützen und können vermitteln: Ich bin auch weiterhin an der Klinik. Derzeit arbeiten wir an einer Bedarfskinderbetreuung, damit Ärztinnen ihre Kinder in guter Obhut wissen, wenn sich unvorhergesehene Betreuungslücken auftun. In der Ausbildung bekommt die Gendermedizin einen wichtigen Stellenwert, als Pflichtfach seit diesem Wintersemester und als Wahlpflichtfach seit drei Semestern. Ich versuche in dieser Position eine Gratwanderung: Ich möchte so viel wie möglich für die Frauen an der Medizinuniversität tun, ich möchte aber mit meinen Aktionen keine Aggressionen auf die Frauen ziehen, weil das kontraproduktiv wäre. Bisher ist das ganz gut gelungen, denke ich.</p>
<p>Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?</p>
<p>Hochleitner: Ich weiß es nicht, so weit plane ich nicht voraus. Ich denke aber, ich werde die gleichen Dinge tun, die ich jetzt tue: Frauenförderung betreiben, meine Projekte vorantreiben, netzwerken. Und privat: Ich liebe Italien, das Essen, die Luft, die Menschen, und ich bin sicherlich auch in zehn Jahren noch nicht so alt und gebrechlich, dass ich nicht mehr in dieses Land fahren kann.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>„Zur Person&#8221;:<br />
 Prof. Dr. Margarethe Hochleitner wurde am 21. Februar 1950 in Schwaz als Tochter eines Kinderarztes und einer Geschäftsfrau geboren. Nach der Matura nahm sie ihr Studium an der Medizinischen Fakultät Innsbruck auf, das sie 1975 abschloss. Von 1975 bis 1977 war sie Universitätsassistentin am Institut für Hygiene und Mikrobiologie, von 1977 bis 1980 Turnusärztin an der Universitätsklinik Innsbruck, ius practicandi als praktische Ärztin. Ab 1980 war Hochleitner Universitätsassistentin an der Universitätsklinik für Innere Medizin. 1984 erhielt sie ihr Facharztdekret für das Fach Innere Medizin. 1993 erfolgte die Habilitation zum Thema „DDD-Schrittmacher bei therapieresistenten, idiopathischen dilatativen Kardiomyopathien.&#8221; Für ihre Habilitation erhielt Hochleitner den Europäischen Schrittmacherpreis. Nach ihrer Habilitation machte die Kardiologin das Thema „Gender in der Kardiologie&#8221; zu ihrem Hauptarbeitsfeld. Diese Arbeit fließt auch in ihre Lehrtätigkeit ein: Nach wie vor ist Hochleitner die einzige Lehrende, die an der Medizinischen Universität genderspezifische Lehrveranstaltungen abhält und Dissertationen zum Thema Gendermedizin betreut. 1998 etablierte Hochleitner ein Ludwig-Boltzmann-Institut für Kardiologische Geschlechterforschung. 1999 wurde sie zur Frauengesundheitsbeauftragten des Landes Tirol ernannt. 2004 hat Margarethe Hochleitner die Leitung der Koordinationsstelle für Gleichstellung und Gender Studies an der Medizinischen Universität Innsbruck übernommen. Seit 1. Oktober 2005 ist sie Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichstellung der Medizinischen Universität Innsbruck.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>„Netzwerken und sich nicht ins Bockshorn jagen lassen!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:57:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Neurologie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Psychiatrie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit 1. Oktober ist die Psychiaterin Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos Vizerektorin für Personal und Frauenförderung an der Medizinischen Universität Wien. Sie ist damit eine von drei Vizerektorinnen an den vier medizinischen Universitäten in Österreich. Im fünften Teil unserer Serie „Frauen in der Medizin&#8221; berichtet Gutierrez-Lobos über die Wichtigkeit von Netzwerken im Beruf und die Schwierigkeiten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><dl id="attachment_117" class="wp-caption alignleft""><dt><img src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/gutierrez-lobos-karin-pro.jpg" alt="Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos" title="gutierrez-lobos-karin-pro" width="175" height="264" class="size-full wp-image-117" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos</dd></dl>
<p>Seit 1. Oktober ist die Psychiaterin Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos Vizerektorin für Personal und Frauenförderung an der Medizinischen Universität Wien. Sie ist damit eine von drei Vizerektorinnen an den vier medizinischen Universitäten in Österreich.<span id="more-96"></span></p>
<p>Im fünften Teil unserer Serie „Frauen in der Medizin&#8221; berichtet Gutierrez-Lobos über die Wichtigkeit von Netzwerken im Beruf und die Schwierigkeiten, die berufstätige Ärztinnen mit Karriereambitionen und Kindern vor sich sehen. „Einen Managementkurs brauchen diese Mütter jedenfalls sicher nicht.&#8221;</p>
<p>Warum wollten Sie Ärztin werden?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Ich wollte nicht einfach Ärztin, sondern schon als Jugendliche, so mit 15, 16 Jahren, Psychiaterin werden. Medizin habe ich quasi als „Mittel zum Zweck&#8221; studiert. Mich haben die vielfältigen Aufgaben und die vielen unterschiedlichen Lebensgeschichten interessiert, mit denen man in der Psychiatrie konfrontiert ist. Es spielt so viel hinein: Politik, Soziologie, Psychologie &#8211; das fand und finde ich ungeheuer spannend.</p>
<p>Haben Sie aus Ihrem Elternhaus Unterstützung erfahren?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Meine Eltern haben mich vorbehaltlos unterstützt. Es war immer klar, dass ich studieren darf, was ich will.</p>
<p>Haben Sie während Ihres Studiums gearbeitet?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Ich habe relativ lang studiert (lacht). Mein quasi selbstverordneter Eignungstest war, dass ich vor Beginn des Studiums als Hilfskrankenschwester tätig war. Während meines Studiums habe ich viele verschiedene Dinge getan: Ich habe lange in einem Kibbuz gearbeitet, war in Jugendzentren und bei den Festwochen tätig und habe auch als Verkäuferin gearbeitet. Im alten Medizinstudium war dies sicher leichter möglich als jetzt.  Ich möchte diese Zeit und diese verschiedenen Erfahrungen nicht missen.</p>
<p>Während ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie haben Sie ihren Sohn zur Welt gebracht &#8211; wie einfach/schwierig war die Vereinbarkeit von Job und Kind?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Prinzipiell muss ich sagen: Leicht ist es nicht! Ich habe zwar immer sehr genau gewusst, was ich erreichen will und wo ich hin will, das hat mir die ganze Sache ein wenig erleichtert. Trotzdem stehen Frauen, die Karriere und Kind wollen, vor einer ungeheuren organisatorischen Aufgabe. Frauen, die das bewältigen, brauchen sicher keinen Management-Kurs mehr. Es ist aber natürlich auch eine Sache des Partners und des Netzwerks &#8211; und das bricht meist bei der ersten Erkrankung des Kindes zusammen! Ich habe mir da aber nicht viel angetan: Wenn jemand die Nase gerümpft hat, weil ich wegen meines kranken Kindes früher gehen musste, bin ich gegangen. Darüber habe ich mit niemandem diskutiert.</p>
<p>Haben Sie persönlich Abwertungen im Beruf erlebt, weil Sie eine Frau sind?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Aber natürlich, ich glaube, es gibt keine Frau, die in der Medizin ihren Berufsweg bis in eine Spitzenposition gehen will, der das nicht passiert. Wir haben an der Klinik sehr rasch eine Frauengruppe gegründet, das hat vieles abgefangen. Es wird zwar nicht unbedingt leichter, wenn man erfährt, dass andere Frauen ähnliches erleben, aber es hilft, um es von der persönlichen Ebene wegzubekommen. Unsere Gruppe hat sich gegenseitig sehr unterstützt. Grundsätzlich habe ich außerdem immer versucht, Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen und eher paradox zu intervenieren. Wenn mir jemand etwa Karrieregeilheit unterstellt hat, habe ich ihm geantwortet: „Ja klar bin ich karrieregeil!&#8221; Ich war immer fest entschlossen, meinen Weg zu gehen, meine Lebenszufriedenheit zu wahren und meine Ziele zu erreichen. Und ich glaube, an Beleidigungen oder Abwertungen hätte ich das nicht scheitern sehen wollen.</p>
<p>Gab es Situationen, in denen Sie aufgeben wollten?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Nein! Es hat sicherlich immer wieder Situationen gegeben, in denen ich mich sehr belastet gefühlt habe. Aber aufgeben? Niemals. Ich bin sehr hartnäckig &#8211; aufgegeben wird ein Brief.</p>
<p>Welches waren die größten Herausforderungen in Ihrer Karriere?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Die größte Herausforderung war sicherlich meine Karriere und mein Privatleben mit Familie, FreundInnen und Hobbies unter einen Hut zu kriegen. Ich wollte nie so „einschienig&#8221; sein. Ich wollte, dass mein Sohn ein glücklicher Mensch wird, einen großen Freundeskreis haben, meinen Hobbies trotz beruflichem Engagement nachgehen.</p>
<p>Ist das aus heutiger Sicht gelungen?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Ja &#8211; ja, ich denke schon. Ich habe viele gute FreundInnen, meinem Sohn geht es sehr gut. Natürlich ist es immer mal wieder holprig, aber ich glaube, im Großen und Ganzen ist das sehr gut gelungen. Ich bin zufrieden damit.</p>
<p>Wie kam es zu ihrem politischen Engagement an der &#8211; damals noch &#8211; Fakultät für Medizin?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Politik finde ich schon mein ganzes Leben lang spannend, und mich hat die Universität auch immer als Organisationsform  interessiert und wie eine solche Organisation partizipativ gestaltet werden kann. Daher habe ich mich schon früh in diversen Gremien der Universität engagiert, z.B. auch als Gleichbehandlungsbeauftragte. Neben meiner fachlichen Tätigkeit als forensische Psychiaterin wollte ich wissen, wie produziert man Wissen und Kreativität an einer Universität? Wie können Studierende dafür begeistert werden? Besonders spannend finde ich: In meiner jetzigen Position kann ich das auch umsetzen.</p>
<p>Welche Pläne haben Sie als Vizerektorin der MUW?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Die Quotenregelung an der Medizinischen Universität allein reicht nicht, um qualifizierten Medizinerinnen den Aufstieg zu ermöglichen. Wir müssen schon viel früher anfangen &#8211; bei den Studierenden. Dort planen wir, bereits in das  Studium Angebote zur Karriereförderung zu integrieren. Ich möchte unser Mentorinnen-Programm ausbauen und ganz allgemein die Leistungen unserer Frauen sichtbar machen. Die Möglichkeit für Frauen, die Karriereleiter ebenso emporzusteigen wie Männer sehe ich übrigens durchaus nicht nur als eine Frage der Gerechtigkeit. Es ist ebenso eine Frage der Ökonomie: Wird Frauen der Zugang zu höheren Positionen in der Hierarchie erschwert, gehen uns viele Ressourcen verloren. Das möchte ich ändern. Ein wichtiges Projekt, das am 7. März 2008 starten wird &#8211; der internationale Frauentag, 8.3. ist heuer ein Samstag, ist die Veranstaltungsreihe „Science goes Gender&#8221;, bei der ich Frauen aus der Wissenschaft zusammenbringen möchte. Ein weiterer Punkt sind unsere Genderreports. Im Vorjahr haben wir den ersten für die MUW herausgegeben, der gezeigt hat, dass sich die Dinge schön langsam ändern. Wir wollen in Zukunft diese Genderreports fortführen, um ein kontinuierliches Monitoring für Frauenförderung zu haben. Wir müssen einfach penetrant sein, um Dinge in Bewegung zu bringen!</p>
<p>Was raten Sie jungen KollegInnen, die Karriere in der Medizin machen wollen?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Ich glaube, es ist wirklich wichtig, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Es ist wichtig, mit anderen Frauen in der gleichen Situation Kontakt aufzunehmen. Und ich glaube, man sollte eine Vorstellung von der eigenen Karriere haben: Was will ich erreichen? Es ist nicht obszön oder falsch, als Frau Karriere machen zu wollen. Wenn man etwas erreichen, etwas umsetzen will, muss man sich engagieren, in Gremien mitarbeiten und sich beteiligen um mit gestalten zu können.</p>
<p>Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?</p>
<p>Gutierrez-Lobos: Da könnte ich schon fast in Pension sein (lacht). Nein, ich hoffe, ich bin immer noch an der Klinik, gesund und munter. Ich werde sicherlich weiter als Psychiaterin tätig sein und PatientInnen behandeln, Forschungsprojekte betreiben und an der Gestaltung der Uni mitwirken. Und wer weiß: Vielleicht schreibe ich dann doch auch endlich einen Krimi.<br />
 Das Gespräch führte Sabine Fisch.</p>
<p>„Zur Person&#8221;:<br />
 Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos wurde am 4.Mai 1957 in Wien geboren. Ihre Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie schloss sie 1991 ab. Schwerpunkte: Sozialpsychiatrie, forensische Psychiatrie, geschlechtsspezifische Aspekte psychiatrischer Störungen, Gesundheitsberichterstattung. Seit 1992 Lehrauftrag für Forensische Psychiatrie, Mitglied unter anderem der Bioethikkommission, des Wiener Beirats für Frauengesundheit. Am 1. Oktober 2007 wurde Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos zur Vizerektorin für Personalentwicklung und Frauenförderung an der Medizinischen Universität Wien berufen. Karin Gutierrez-Lobos ist mit einem Radiologen verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und lebt in Wien.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>„Der Tod hat mir noch niemals Angst gemacht!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:52:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Gerichtsmedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Bereits im Kindesalter wollte Andrea Berzlanovich Gerichtsmedizinerin werden. Diesen Wunsch hat sie auch durchgezogen, trotz aller Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Als erste Frau in der 206jährigen Geschichte des Wiener Departments für Gerichtliche Medizin hat sie sich 2005 habilitiert &#8211; und am Münchner Rechtsmedizinischen Institut mit mehreren Studien für Aufsehen gesorgt. Im zweiten Teil unserer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bereits im Kindesalter wollte Andrea Berzlanovich Gerichtsmedizinerin werden.</strong><br />
Diesen Wunsch hat sie auch durchgezogen, trotz aller Schwierigkeiten einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Als erste Frau in der 206jährigen Geschichte des Wiener Departments für Gerichtliche Medizin hat sie sich 2005 habilitiert &#8211; und am Münchner Rechtsmedizinischen Institut mit mehreren Studien für Aufsehen gesorgt.<span id="more-95"></span></p>
<p>Im zweiten Teil unserer Serie „Große Frauen in der Medizin&#8221; berichtet Prof. Dr. Andrea Berzlanovich im Gespräch mit Sabine Fisch, warum Sie sich so ungewöhnlich früh für Gerichtsmedizin begeisterte, wie sie Steine aus ihrem Karriereweg räumte und warum sie vor allem die forensische Gerontologie so interessiert.</p>
<p>Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ärztin zu werden?</p>
<p>Berzlanovich: Im Vorschulalter war mir klar: Ich will Gerichtsmedizinerin werden. Meine Eltern waren mit einem Pathologenehepaar befreundet, deren berufliche Tätigkeit mich schon als kleines Kind fasziniert hat. Ich bin  auf dem Land groß geworden, wo das Sterben noch viel eher ein Teil des Lebens ist, als in der Großstadt. Meine Eltern haben mich immer in meinen beruflichen Plänen unterstützt. Für sie war es wichtig, dass ich einen Beruf erlerne, der mir Freude macht. Sie haben nie gesagt &#8211; Um Gottes Willen Kind &#8211; Gerichtsmedizin? Meine Volksschullehrerin dagegen,  war  schockiert, als ich in der vierten Klasse &#8211; befragt nach meinem Berufswunsch &#8211; antwortete: Ich möchte Gerichtsmedizinerin werden.</p>
<p>Gab es während des Studiums keine anderen Fächer, die Sie interessierten?</p>
<p>Berzlanovich: Ich fand keines der Fächer uninteressant, aber am meisten beeindruckt war ich von der Gerichtsmedizin. Auch die Gegenfächer, die ich für meine Facharztausbildung gewählt hatte &#8211; Thoraxchirurgie, Psychiatrie und Notfallmedizin &#8211; waren lehrreich und spannend, das Interesse an der Gerichtsmedizin blieb allerdings immer vorrangig.</p>
<p>Viele Menschen studieren Medizin, weil sie heilen wollen. Welche Beweggründe hatten Sie für die Wahl Ihres Faches?</p>
<p>Berzlanovich: Die wichtigsten Arbeitsgebiete der Gerichtsmedizin sind die Untersuchung von natürlichen und gewaltsamen Todesfällen sowie die Beurteilung von Verletzungen Lebender. Um den wachsenden Anforderungen der öffentlichen Gesundheits- und Ermittlungsbehörden gerecht zu werden, hat sich außer der DNA-Typisierung, Biomechanik und der Forensischen Radiologie in den letzten Jahren als neuer Fachbereich die Forensische Gerontologie etabliert. Das breite Themen-spektrum des Faches hat meine Berufswahl wesentlich beeinflusst. Mein langjähriges wissenschaftliches Schwerpunktgebiet ist die Forensische Gerontologie.</p>
<p>Mit diesen Studien haben Sie für einiges Aufsehen gesorgt &#8211; was war der Hintergrund?</p>
<p>Berzlanovich: Meine Studie zu „Todesfällen im Rahmen von Fixierungsmaßnahmen bei Pflegebedürftigen&#8221; wurde  zum Anlass genommen, die Problematik der Fixierungen in die Tagesordnung einer Sitzung des Landespflegeausschusses einzubringen. Zur Beschlussfassung wurde von der zuständigen Staatsministerin angeregt, dass eine Kommission ein Konzept zum Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen erarbeiten und dem Landespflegeausschuss über die Ergebnisse berichten soll. Ich habe als externe Beraterin gemeinsam mit Vertretern der Pflegeverbände, der Ärzteschaft, der Einrichtungs- und Kostenträger sowie der Aufsichtsbehörden einen Leitfaden (Leitfaden zum Download unter http://www.stmas.bayern.de/pflege/pflegeausschuss/fem-leitfaden.pdf, Anm.)<br />
erstellt . Dieser soll keine Handlungsschemata auferlegen, sondern Denkanstöße für eine verantwortungsvolle Prüfung des Einsatzes und einen verantwortungsvollen Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen in der Pflege geben. Dieser Leitfaden beinhaltet Alternativen zur Anwendung von mechanischen Fixierungen bei Pflegebedürftigen, Vorschläge zur Prophylaxe fehlerhafter oder rechtswidriger Fixierungen und Möglichkeiten der internen und externen Qualitätssicherung zur Unterstützung, Beratung und Kontrolle der Pflegenden. Er richtet sich gleichermaßen an die Betroffenen, die Pflegekräfte, die Heimleitungen, die Träger von Einrichtungen, die Angehörigen, die Ärzte und die Justiz. Checklisten und spezifische Erläuterungen sollen als konkrete Hilfestellungen für die am Entscheidungsprozeß Beteiligten dienen.</p>
<p>Seit Ende Oktober arbeiten Sie wieder am Department für Gerichtliche Medizin in Wien &#8211; warum sind Sie aus München weggegangen?</p>
<p>Berzlanovich: Ich möchte meine neuen Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich in München gewonnen habe, in Wien umsetzen. &#8211; Optimistin, die ich bin (lacht). Bis jetzt habe ich es noch nicht bereut (das Interview fand in der ersten Arbeitswoche Berzlanovichs nach ihrer Rückkehr aus München statt, Anm.).</p>
<p>Ihr Spezialgebiet ist die forensische Gerontologie &#8211; warum eigentlich?<br />
Berzlanovich: Zu den Verantwortlichkeiten der Gerichtsmedizin gehört &#8211; meiner Meinung nach &#8211; nicht nur die sachgerechte Durchführung der klassischen Obduktion bzw. der Begutachtung, sondern auch das Bestreben von den Toten zu lernen, um den Schaden von den Lebenden fernzuhalten oder zumindest zu minimieren. Ich habe mich aus diesem Grund in meinen wissenschaftlichen Arbeiten mit plötzlichen Todesfällen von Alten und Uralten auseinandergesetzt und mich auch mit forensischen Fragen von Gesundheitsrisiken und deren Vermeidung beschäftigt. Den gerade bei älteren Menschen besteht die Gefahr, dass im Zusammenhang mit Sterben und Tod in der ärztlichen Betreuung und Pflegequalität relevante Fehler unterlaufen und übersehen werden.</p>
<p>Sie waren die erste Professorin für Gerichtsmedizin in der 206jährigen Geschichte des Departments für gerichtliche Medizin in Wien &#8211; gab es Stolpersteine auf dem Weg dahin?</p>
<p>Berzlanovich: Mühsam war es immer. Als ich mich gleich nach der Promotion um eine Facharztstelle bewarb hieß es: „Sie sind doch gar nicht so häßlich, dass sie keinen Mann bekommen &#8211; warum wollen Sie denn die Stelle haben?&#8221; Ich habe dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ehemaligen an der II. Med. Universitäts-klinik gearbeitet und mich bei der nächstfolgenden Ausschreibung  wieder beworben und tatsächlich eine Halbtagsstelle für ein Jahr bekommen. Das vielfältige Betätigungsfeld mit Toten, Misshandelten oder Verletzten hat mich von Anfang so sehr interessiert, dass ich gegen alle Hürden beharrlich gekämpft habe oder diesen ausgewichen bin. Neben meiner Routinetätigkeit und Forschung war mir die Lehre von Anfang an wichtig, der Austausch mit den StudentInnen, hat mir immer viel gebracht und mich bestärkt im Fach zu bleiben.</p>
<p>Gab es Zeiten, in denen Sie alles „hinschmeißen&#8221; wollten?</p>
<p>Berzlanovich: Natürlich, etwa als ich an meiner Habilitation gearbeitet habe und mich desöfteren fragte: Warum sitzt Du da noch um Mitternacht in der Sensengasse 2 (Department für Gerichtliche Medizin, Wien, Anm.)? Aber das musste einfach sein. Ich dachte, wenn ein Mann sich im Fach habilitieren kann, warum soll das dann eine Frau nicht auch schaffen.</p>
<p>Woher holen Sie sich Ihre Kraft?</p>
<p>Berzlanovich: Von meinem Partner, meiner Familie, meinen Freunden und meinen Hobbies. Ich gehe sehr gerne joggen, laufe über 4.000 km pro Jahr. Am liebsten gegen 5 Uhr Früh. Da habe ich Zeit, um meinen Tag zu strukturieren, über Projekte nach zu denken und gelegentlich Probleme zu lösen.</p>
<p>Was wollen Sie jungen Kolleginnen mitgeben, die sich für Gerichtsmedizin interessieren?</p>
<p>Berzlanovich: Engagement  und Selbstbewusstsein sind wichtig, ebenso wie ein eiserner Wille und Hartnäckigkeit. Sie müssen mögen, was sie tun &#8211; und ein bisschen Glück haben, denn einfach ist eine Karriere in der Gerichtsmedizin sicherlich nicht.</p>
<p><strong>„Zur Person&#8221;:</strong><br />
Prof. Dr. Andrea Berzlanovich wurde am 11.09.1960 Wien geboren und wuchs in Hollenstein an der Ybbs auf. Bereits im Kindesalter wollte sie Gerichtsmedizinerin werden. Sie ist seit 1990 am Department für Gerichtliche Medizin in Wien tätig. Im Jänner 2005 hat sie sich mit dem Thema „Forensischen Gerontologie&#8221;, als erste Österreicherin im Fach Gerichtliche Medizin, habilitiert. Vom März 2005 bis September 2007 war sie für Forschung bzw. Lehrzwecke zur Auslandspraxis am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München freige-stellt, wo sie sich mit der Thematik „Gewalt und Vernachlässigung gegenüber alten Menschen in häuslicher und institutioneller Pflege&#8221; befasste. Für die Einreichung der Studie „Todesfälle im Rahmen von Fixierungen in Pflegesituationen&#8221; hat sie Förderpreise der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (2005, 2006) und den Stiftungspreis 2007 der Münchner Medizinischen Wochenschrift erhalten. Seit Oktober 2007 arbeitet sie wieder am Department für Gerichtliche Medizin Wien.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Ein Vogel fliegt oben</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:45:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Plastische Chirurgie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer Karriere machen und sich behaupten will, muss lernen, Prioritäten zu setzen Sie war die erste Ordinaria für plastische Chirurgie in Österreich. Sie gründete die Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie am Krankenhaus Lainz und war damit auch die erste Primaria in Ihrem Fach. Und sie erkämpfte sich einen Ausbildungsplatz &#8211; 1970 &#8211; als der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_90" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-90" title="hildegunde-piza" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/hildegunde-piza.jpg" alt="Prof. Dr. Hildegunde Piza" width="167" height="250" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 177px">Prof. Dr. Hildegunde Piza</dd></dl>
<p><strong>Wer Karriere machen und sich behaupten will, muss lernen, Prioritäten zu setzen</strong></p>
<p>Sie war die erste Ordinaria für plastische Chirurgie in Österreich. Sie gründete die Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie am Krankenhaus Lainz und war damit auch die erste Primaria in Ihrem Fach. <span id="more-92"></span>Und sie erkämpfte sich einen Ausbildungsplatz &#8211; 1970 &#8211; als der damalige Chef der Universitätsklinik für Chirurgie noch meinte „Frauen haben in der Chirurgie nichts verloren.&#8221; Dabei wollte sie ursprünglich eigentlich gar nicht Ärztin werden.</p>
<p>Im dritten Teil unserer Serie „Große Frauen in der Medizin&#8221; berichtet Prof. Dr. Hildegunde Piza, Vorständin der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der medizinischen Universität Innsbruck im Gespräch mit Sabine Fisch über ihren Lebensweg, die Stolpersteine darauf und warum Karriere und Kinder einander durchaus nicht ausschließen.</p>
<p>Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ärztin zu werden?</p>
<p>Piza: Bei der Inskription an der Uni. Mein Vater hatte mich begleitet, das war damals durchaus nicht unüblich. Ich wollte eigentlich Sportwissenschaft studieren. Aber letztlich wollte ich meinen Vater, der 50 Jahre lang Arzt in Weiz war, nicht enttäuschen und habe mich für Medizin eingeschrieben. Die Vorklinik fand ich dann ziemlich eintönig. Nur die Möglichkeit mehrerer Famulaturen hat mich bei der Stange gehalten &#8211; da habe ich schon mitbekommen, dass es an der Klinik anders sein wird.</p>
<p>Warum haben Sie sich schließlich für die Chirurgie entschieden?</p>
<p>Piza: Auch das war ein Zufall: Ich wollte einen Sommer in Salzburg verbringen, um die Festspiele erleben zu können und suchte mir dort einen Turnusplatz. Das klappte auch. Der Oberarzt der Chirurgie erkrankte, und ich konnte gut nähen. Also habe ich dort meine Grundausbildung in der Chirurgie absolviert. Mir war bald klar &#8211; ich möchte Plastische und Rekonstruktive Chirurgie machen. Eine Ausbildungsstelle dafür gab es aber nicht. Ich bewarb mich an der 1. Universitätsklinik für Chirurgie und wurde abgelehnt, weil ich eine Frau bin. Originalzitat des damaligen Chefs, Prof. Dr. Paul Fuchsig: „Frauen haben in der Chirurgie nichts verloren!&#8221; Ich verfasste einen flammenden Brief an den Mann: Ein Mann in seiner Position könne einfach nicht mehr sagen, Frauen dürfen nicht an die Chirurgie. Immerhin sei die Universität für Frauen offen. Die Frau dieses Arztes, die den Brief gelesen hatte, stellte fest: „Diese junge Ärztin musst du dir anschauen!&#8221; Und so kam es, dass ich an der 1. Universitätsklinik für Chirurgie am AKH Wien angefangen habe. Lustig war das nicht: Ich war die einzige Frau auf der Klinik, und es wurde viel gemunkelt. „Der Fuchsig wird alt&#8221; gehörte noch zu den netteren Aussagen.</p>
<p>Bis zur Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie war es dann aber noch ein weiter Weg, oder?</p>
<p>Piza: Ja. Ich habe auf der chirurgischen Universitätsklinik meinen Mann kennen gelernt, der zwei Tage, bevor ich dort anfing (1970, Anm.), seine Frau bei einem Unfall verloren hatte. Wir haben 1972 geheiratet. Dann musste ich die Klinik verlassen, weil ein Ehepaar nicht gemeinsam auf einer Klinik arbeiten durfte. Ich arbeitete dann bis 1973 auf der experimentellen Chirurgie und der Kieferchirurgie, bis ich endlich meine Ausbildung zur plastischen Chirurgin an der Wiener Klinik absolvieren konnte. 1975 erwarb ich den Facharzttitel für Chirurgie, 1976 jenen für plastische Chirurgie. Und zwischen 1974 und 1980 brachte ich drei Kinder zur Welt. Als das jüngste im Säuglingsalter war, habe ich meine Habilitationsschrift verfasst.</p>
<p>Kinder und Karriere &#8211; wie war das unter einen Hut zu bringen?</p>
<p>Piza: Es geht nicht ohne ein riesiges Hilfsnetz: Meine Eltern, die Eltern meines Mannes und natürlich eine Haushälterin, die mittlerweile seit 25 Jahren bei uns ist, haben uns unterstützt. Mein Mann ist mein bester Freund, der meine Karriere immer mitgetragen hat. Und ich habe mich selbst nie so wahnsinnig wichtig genommen und immer Prioritäten gesetzt: Ich trage seit 30 Jahren die gleiche Frisur, ich habe eine Schneiderin, die mir die Sachen anmisst und ansonsten kümmere ich mich um Äußerlichkeiten recht wenig.</p>
<p>Wollten Sie schon mal aufgeben?</p>
<p>Piza: Natürlich! Wenn ein Kind stirbt, ist das nicht lustig. Wenn man an die Abteilung zurück will, und die eigene Position ist weg, weil gedacht wurde: Mit drei Kindern kommt die ohnehin nicht zurück, dann denkt man schon einmal ans Aufgeben. Aber ich hatte das Glück, immer echte Freunde zu haben, wie mein Mann einer ist. Und man bekommt schon eine dickere Haut mit der Zeit: Es geht nicht, dass ich jeden Tag mit dem Skalpell jemandes Haut schneide und selbst die dünnste aller Häute habe.</p>
<p>Welches war die größte Herausforderung in Ihrer Karriere?</p>
<p>Piza: Gehe ich mit 51 Jahren noch einmal ein neues Problem an &#8211; wie etwa den Aufbau der Abteilung für Plastische Chirurgie in Lainz? Übernehme ich mit 58 Jahren &#8211; eigentlich hätte ich da ja schon in Pension gehen können &#8211; das Ordinariat für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Innsbruck? Da glaubt man ja, das ist nicht zu schaffen. Und schafft es doch, weil die Neugierde groß ist und der Reiz einer solchen Position natürlich auch. Wenn ich eine neue Aufgabe angenommen habe, habe ich mich immer gefragt: Was kann ich da bewegen?</p>
<p>Wenn Sie heute zurück schauen &#8211; was hätten Sie anders gemacht?</p>
<p>Piza: Ich schaue nie zurück. Das heißt nicht, dass ich nicht vieles falsch gemacht habe, aber ich halte nichts davon, in der Vergangenheit herum zu graben.</p>
<p>Stichwort Frauenfeindlichkeit &#8211; wie gehen Sie damit um?</p>
<p>Piza: Ich glaube schon, dass viele Leute hier mich lieber nicht in meiner Position sehen würden. Ich habe viele Dinge gehört, die nicht lustig sind. Aber ich bin mittlerweile darüber hinweg. Ich habe einfach zu wenig Zeit, mich mit Anfeindungen zu befassen oder mich davon traurig machen zu lassen. Ich möchte aus meiner Position nicht mehr runter &#8211; das ist wie bei einem Vogel, der ist oben und oben fühlt er sich wohl. Ich lasse mich nicht mehr runterziehen &#8211; Gerüchte und Bösartigkeiten tun nur weh, wenn man sich weh tun lässt.</p>
<p>Inwiefern unterscheidet sich Ihr Führungsstil von dem ihrer männlichen Kollegen?</p>
<p>Piza: So wie ich führe, führt sonst niemand, das ist ja geschlechterunabhängig. Ich habe Hochachtung vor jedem Berufsstand, eine tolle Schwester, ein guter OP-Gehilfe, die gehören in jedes Team. Ich schreie nie &#8211; das fällt mir im Traum nicht ein. Wenn ich einen Raum betrete, wird das Radio abgedreht. Die Leute haben wohl Respekt vor mir &#8211; aber keine Angst.</p>
<p>Was wollen Sie jungen Kolleginnen mitgeben, die Fachärztinnen für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie werden wollen?</p>
<p>Piza: Mentoring und Netzwerke sind extrem wichtig. In Innsbruck hat Margarethe Hochleitner, die Vizerektorin für Personal der Medizinischen Uni Innsbruck und Kardiologin  sehr darauf gedrängt, dass Frauen sich vernetzen. Es gibt bei uns auch ein tolles Mentoring-Programm. Ich habe an der Klinik viele Frauen aufgenommen &#8211; mit etwas Glück schaffe ich es noch, dass noch eine habilitiert, bevor ich in Pension gehe. Ich glaube auch, dass Kinder kein Ausschlussgrund für eine erfolgreiche Karriere sind, weil man mit Kindern lernt, dass es auch noch ein völlig anderes Leben gibt. Und das ist ein reiches Leben, aus dem ich viel lernen kann. Ich kenne genug Chirurginnen, die sagen, Kinder kann ich mir nicht leisten, ich hab zu viel zu tun. Aber was ist dann später? Für mich hieß es nie: Kinder oder Karriere &#8211; sondern immer UND. Prioritäten setzen zu können, ist wichtig, ein gutes Beziehungsnetz aufzubauen und angstfrei durchs Leben zu gehen.</p>
<p><strong>„Zur Person&#8221;:</strong><br />
 Prof. Dr. Hildegunde Piza wurde am 2. April 1941 als Tochter von Prim. Dr. Otto Katzer und Juliane Katzer in Gröbming in der Steiermark geboren. Ihre Ausbildung zur Chirurgin und zur plastischen Chirurgin absolvierte sie in Salzburg und Wien. 1972 heiratete Piza den Gefäß- und Transplantationschirurgen Prof. Dr. Franz Piza, mit dem sie drei Kinder (Nikolaus, geb. 1974, Pia-Maria, geb. 1976 und Klara-Maria, geb. 1980) hat. Hildegunde Piza wurde 1999 zur ersten Ordinaria für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der medizinischen Universität Innsbruck berufen. Österreichweite Bekanntheit erlangte Piza, als sie mit ihrem Team dem Bombenopfer Theo Kelz in einer 17stündigen Operation Unterarme und Hände transplantierte. Im Jahr 2000 wurde sie vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur „Wissenschaftlerin des Jahres&#8221; gekürt.</p>
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		<title>Quotenregelung für die Gynäkologie</title>
		<link>http://www.sabinefisch.at/2009/03/quotenregelung-fur-die-gynakologie-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:38:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Gynäkologie]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gynäkologie ist &#8211; vor allem in den Führungspositionen &#8211; immer noch männerdominiert. Seit 2007 ist Prof. Dr. Teresa Wagner Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kaiser Franz Josef Krankenhaus in Wien. Sie hat damit etwas geschafft, dass im patriarchalischen Österreich lange Zeit unmöglich schien: Eine Frau als Leiterin einer gynäkologischen Abteilung. Nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_89" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-89" title="theresa-wagner" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/theresa-wagner.jpg" alt="Prof. Dr. Teresa Wagner" width="250" height="203" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 260px">Prof. Dr. Teresa Wagner</dd></dl>
<p><strong>Die Gynäkologie ist &#8211; vor allem in den Führungspositionen &#8211; immer noch männerdominiert.</strong></p>
<p>Seit 2007 ist Prof. Dr. Teresa Wagner Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kaiser Franz Josef Krankenhaus in Wien. Sie hat damit etwas geschafft, dass im patriarchalischen Österreich lange Zeit unmöglich schien: Eine Frau als Leiterin einer gynäkologischen Abteilung. <span id="more-94"></span>Nur zwei Abteilungen werden bis dato von Frauen geführt: Die Semmelweisklinik von Prof. Dr. Petra Kohlberger (seit 2007) und eben jene im KFJ. Von einer Vorständin einer Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe ist weiterhin weit und breit nichts zu sehen.</p>
<p>Im zweiten Teil der Serie „Große Frauen in der Medizin&#8221; hat Sabine Fisch mit der Gynäko-Onkologin Prof. Dr. Teresa Wagner über ihre Arbeit, über Herausforderungen, die männlich-dominierte Gynäkologie und über die Notwendigkeit einer Quotenregelung gesprochen.</p>
<p>Wann tauchte der Berufswunsch Medizinerin bei Ihnen auf?</p>
<p>Wagner: Das war mir schon als Kind klar. Ich hatte ein großes Vorbild. Meine Patentante war nicht nur Gynäkologin und unsere Hausärztin, sie war auch Leiterin einer geburtshilflichen Abteilung in einem Krankenhaus in der Nähe von Alpen (Deutschland, Anm.), wo ich aufgewachsen bin. Das war eine sehr selbstständige, resolute Frau, die mir sehr imponiert hat.</p>
<p>Sie stammen aus einer Medizinerfamilie &#8211; war Druck da, ebenfalls Medizin zu machen?</p>
<p>Wagner: Nein, ich konnte mich völlig frei entscheiden. Nach dem Abitur habe ich erstmal ein Semester Chemie und ein Semester Psychologie studiert, obwohl ich den Wunsch hatte Medizinerin zu werden. Meine beiden älteren Brüder sind ebenfalls Ärzte, das hatte mich zuerst ein wenig abgeschreckt. Aber ich habe schnell festgestellt, es muss doch die Medizin sein. Einen Studienplatz bekam ich, aufgrund meiner guten Noten leicht.</p>
<p>Wann fiel während ihrer Studienzeit die Entscheidung für die Gynäkologie?</p>
<p>Wagner: Das war von Anfang an klar. Ich könnte gar nichts anderes machen. In der Kinderheilkunde zum Beispiel würde ich viel zu viel mitleiden. Außerdem wollte ich unbedingt ein Fach, in dem man operieren kann. Die Chirurgie war mir zu wenig kommunikativ, die Gynäkologie bot genau die richtige Mischung.</p>
<p>Wie verlief ihre Studienzeit?</p>
<p>Wagner: Ich habe mein Medizinstudium 19xx in Deutschland begonnen. Allerdings darf man in Deutschland keinen Patienten angreifen, bevor man mit dem Studium fertig ist. Das hat mir gar nicht gefallen. Ich hörte dann auf einem Kongress, dies sei in Österreich anders, was zu einer Bewerbung bei Prof. Ernst Kubista an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde I am AKH Wien geführt hat. Kubista meinte, ich solle doch kommen, also packte ich meine Sachen und setzte mein Studium 1987 in Wien fort. Schon als ich in Wien ankam war mir klar: Hier bin ich zu Hause. Daran hat sich seit damals nichts geändert. Nach Abschluss meines Studiums hatte ich an der 1. Frauenklinik eine Ausbildungsstelle zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Aussicht, dazu musste ich allerdings Österreicherin sein. Mit Hängen und Würgen habe ich die Einbürgerung geschafft und konnte am 1. September 1990 meine mit Drittmitteln finanzierte Stelle antreten.</p>
<p>Wie wichtig ist Selbstbewusstsein für eine Karriere als Gynäkologin?</p>
<p>Wagner: Sehr wichtig. Und ich war schon damals eine sehr selbstbewusste Frau. Das war auch nötig &#8211; an der Frauenklinik war ich die fünfte Frau, die eine Ausbildungsstelle antrat. Mir war auch immer klar: Ich möchte Karriere in der Frauenheilkunde machen. Ich will wissenschaftlich arbeiten. Für meine Dissertation habe ich etwa mit großem Elan zwei Jahre lang Kreissäle verräuchert, weil ich feststellen wollte, ob man mit Moxibution Beckenendlagen drehen kann. Man kann übrigens nicht (lacht). Mir war Wissenserwerb immer extrem wichtig. Ich war nie eine Partymaus, ich bin nicht ausgegangen, ich habe gelernt und gearbeitet. Einmal, mit 14, war im in einer Disco &#8211; ich fand es grauenhaft. Ich liebe meine Arbeit und empfinde sie nicht als Belastung.</p>
<p>Wann und warum kam der Schritt in die Onkologie?</p>
<p>Wagner: Das war eigentlich ein Zufall: Als ich begonnen habe, wollte keiner der jungen Assistenten auf der onkologischen Station arbeiten. Mir hat das gefallen. Ich wollte gute Medizin machen. Wenn eine Frau gesagt hat: Ich bin zwar schwer krank, aber ich werde gut betreut, dann hat mich das immer ungeheuer motiviert. Mir war auch der wichtig, der Patientin möglichst ein „Gesamtpaket&#8221; anbieten zu können &#8211; von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge. Wer mit einer solch schweren, potenziell tödlichen Erkrankung wie Brustkrebs konfrontiert ist, sollte nicht von einer Stelle zur andere geschickt, sondern möglichst aus einer Hand betreut werden. Dieser Gedanke führte letzten Endes auch zur Gründung der Stiftung für Brustgesundheit, die ich gemeinsam mit Prof. Kubista von der Frauenklinik und der Wirtschaftsanwältin Dr. Theresa Jordis 2002 ins Leben gerufen habe.</p>
<p>Sie arbeiten sehr viel, publizieren und betreuen Patientinnen &#8211; woher holen Sie sich die Kraft für ihre Arbeit?</p>
<p>Wagner: Wenn man seine Arbeit gut macht ist sie keine Belastung. Ich mag meine Patientinnen, sie sind es, die mir Kraft geben. Und ich bin seit vielen Jahren glücklich verheiratet, mit einem Nicht-Mediziner. Mein Mann ist Art-Director &#8211; von der Arbeitsweise her sind wir uns allerdings schon sehr ähnlich. Für meinen Mann ist es selbstverständlich eine erfolgreiche Frau zu haben, er hat jeden Schritt von mir massiv unterstützt. Wir haben keine Kinder &#8211; ich denke, eine Karriere wie die meine, wäre mit Kindern unmöglich gewesen. Ich bemühe mich jetzt, in meiner Position als Primaria, allen Frauen in meiner Abteilung zu ermöglichen, Karriere und Kind zu vereinbaren. Aber in dem Umfeld, in dem ich gearbeitet habe, wäre das unmöglich gewesen.</p>
<p>Sie waren 20 Jahre an der Frauenklinik im AKH &#8211; ist der Abschied schwer gefallen?</p>
<p>Wagner: Nein. Ich habe dort alles erreicht, was ich erreichen konnte. Es war Zeit, weg zu gehen und eine neue Herausforderung anzunehmen. Gerade in meiner Anfangszeit auf der Klinik habe ich lauter Menschen kennen gelernt, die gute Medizin machen wollten. Das war, als ich gegangen bin, nicht mehr so. Die Stelle als Primaria an einem Gemeindespital war der logische nächste Schritt für mich.</p>
<p>Wollten Sie schon einmal alles aufgeben?</p>
<p>Wagner: Natürlich. Ich erinnere mich an ein Telefongespräch mit einer guten Freundin, die niedergelassene Gynäkologin ist: An dem Tag war ich ziemlich erledigt und habe zu ihr gesagt: „Wieso tue ich mir das an, wieso will ich das überhaupt?&#8221; Und sie hat mir so richtig streng gesagt: „Stell dich nicht so an, eine muss es schaffen, und wenn du es nicht schaffst, wird es keine schaffen. Und deshalb musst du dich jetzt zusammen nehmen und weiter machen. Das fand ich toll. Ich musste immer wieder daran denken, wenn mal wieder „Supergau&#8221; war, wenn ich dachte, es haben sich mal wieder alle gegen mich verschworen.</p>
<p>Was raten Sie jungen Kolleginnen, die Karriere in der Gynäkologie machen wollen?</p>
<p>Wagner: Genau das zu tun und sich nicht entmutigen zu lassen. Ich glaube aber, wir müssen schon viel früher ansetzen, nämlich im Elternhaus: Meine Eltern haben sich wahnsinnig auf mich gefreut und mich immer genauso wie meine Brüder behandelt. Sie haben mir vermittelt: Du bist gleich viel wert. Im Studium und in meiner Arbeit hatte ich nie das Gefühl weniger wert zu sein, als die Kollegen. Für mich ist das kein Thema. Ich kenne aber viele Frauen, auch in meinem engsten Kreis, die diese Gefühl sehr wohl internalisiert haben, weil ihre Väter ihre Brüder vorgezogen haben, weil ihre Mütter diese Frauen nicht geschützt haben. In meinen Augen greift es zu kurz, zu sagen: Na Mädels, wieso seid ihr nicht ehrgeizig? Eine Frau, der in den wichtigsten Jahren ihres Lebens nur kommuniziert wird, sie sei nichts wert, wie soll die Ehrgeiz entwickeln? Diesen Mädchen sollte wenigstens in Kindergarten und Schule ein anderes Selbstbild vermittelt werden.<br />
 Und es braucht Vorbilder: Ich hatte nie welche, weil alle KollegInnen Männer waren, und Männer können für eine Frau immer nur begrenzt Vorbilder sein. Deshalb bin ich auch für eine Quotenregelung in der Medizin. Da halte ich es ganz mit der ehemaligen Frauenministerin Johanna Dohnal: Wenn genauso viele unfähige Frauen wie unfähige Männer in Führungspositionen sind, dann haben wir es geschafft. Das hat schon Johanna Dohnal gesagt. Und das stimmt noch heute.</p>
<p><strong> „zur Person&#8221;</strong><br />
 Prof. Dr. Teresa Wagner wurde am xx. xxxxx 19xx in Alpen/Deutschland geboren. Sie studierte von xxxx bis xxxx in Deutschland und Wien Medizin. Ihre Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe absolvierte Wagner an der 1. Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Sie spezialisierte sich auf Gynäko-Onkologie und gründete 2002, gemeinsam mit Prof. Dr. Ernst Kubista, Leiter der Abteilung für Spezielle Gynäkologie am Wiener AKH und der Wirtschaftsanwältin Dr. Theresa Jordis die Privatstiftung für Brustgesundheit. Seit August 2007 leitet Wagner die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kaiser Franz Josef-Krankenhaus in Wien. Teresa Wagner ist verheiratet und lebt in Wien.</p>
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		<title>„… und bei allem war man die Erste!“</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.fisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Große Frauen in der Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Geschichte der ersten Ärztinnen in Österreich Erst seit dem Jahr 1900 dürfen Frauen in Österreich Medizin studieren. Die erste österreichische Ärztin, Dr. Gabriele Possanner von Ehrenthal musste ihr Medizinstudium in Zürich absolvieren und sämtliche Rigorosen in Österreich nochmals wiederholen, bevor ihr der Titel „Dr. med. univ.&#8221; zugestanden wurde. Seither hat sich viel geändert in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl id="attachment_114" class="wp-caption alignleft""><dt><img class="size-full wp-image-114" title="possanner-von-ehrenthal-dr" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/possanner-von-ehrenthal-dr.jpg" alt="Dr. Gabriele Possanner von Ehrenthal" width="175" height="216" /></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Dr. Gabriele Possanner von Ehrenthal</dd></dl>
<p><strong>Zur Geschichte der ersten Ärztinnen in Österreich</strong></p>
<p>Erst seit dem Jahr 1900 dürfen Frauen in Österreich Medizin studieren. Die erste österreichische Ärztin, <strong>Dr. Gabriele Possanner von Ehrenthal</strong> musste ihr Medizinstudium in Zürich absolvieren und sämtliche Rigorosen in Österreich nochmals wiederholen, bevor ihr der Titel „Dr. med. univ.&#8221; zugestanden wurde. Seither hat sich viel geändert in der Medizin &#8211; freilich: Die Führungspositionen sind zum überwiegenden Teil nach wie vor wie fest in männlicher Hand.<span id="more-93"></span></p>
<p>Mit diesem Beitrag beginnt eine Serie in der Ärztewoche, die einige der wenigen Frauen in medizinischen Führungspositionen vor den Vorhang holt. In Interviews berichten sie über ihren Karriereweg, Erfolge und Hindernisse. Im ersten Teil der Serie stellt Sabine Fisch die historischen Vorbilder der heute tätigen „Großen Frauen in der Medizin&#8221; vor.</p>
<p>Der erste weibliche Doktor der gesamten Heilkunde wurde am 2. April an der Wiener Universität feierlich promoviert. Baronin Gabriele Possanner von Ehrenthal ist der erste weibliche Arzt in Wien. Gabriele Possanner (&#8230;) wurde es bedeutend schwerer gemacht in Wien den Doktorgrad zu erreichen, als bei ihren männlichen Kollegen üblich. (&#8230;) Auf ihre Promovierung hatte sich großes Interesse gelegt und ein zahlreiches Publikum hatte sich zu derselben im Festsaal der Universität eingefunden. Allerdings bestand das Publikum nicht aus lauter Personen, die für die große Bedeutung der Promovierung einer Frau zum Arzt das nötige Verständnis besaßen. Manche konnten ihre bornierten Gefühle nicht beherrschen und äußerten sich durch Zischen, während das verständige Publikum seinen Beifall gab.&#8221; (Arbeiterinnenzeitung vom 2. April 1897 &#8211; anlässlich der ersten Promotion einer Frau auf österreichisch-ungarischem Boden)</p>
<p>Gabriele Possanner von Ehrenthal, an deren Ordination heute eine Gedenktafel in der Alserstraße 26 im neunten Wiener Gemeindebezirk erinnert, musste heute unglaublich scheinende Hürden überwinden, um das zu tun, was sie als ihre Berufung ansah, nämlich als Ärztin zu arbeiten. Sie legte zweimal die Matura ab (einmal in Österreich, einmal in der Schweiz), und musste als in der Schweiz promovierte Medizinerin in Österreich noch einmal 21 Prüfungen ablegen, bevor sie sich in Wien als praktische Ärztin niederlassen konnte. Mit 68 Jahren erhielt Possanner von Ehrenthal als erste österreichische Frau den Titel „Medizinalrat&#8221;. „Ihrer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass das Medizinstudium ab 1900 für Frauen geöffnet wurde&#8221;, berichtet die Medizinhistorikerin und Ärztin Dr. Ingrid Arias vom Institut für Medizingeschichte in Wien.</p>
<p><strong>Zäher Anfang</strong><br />
 Im Jahr 1910 waren im gesamten Gebiet der Donaumonarchie 80 Ärztinnen, die in Österreich studiert hatten, tätig. In Wien arbeiteten davon 39. Bereits am 1. September 1903 nahm die erste Kassenärztin ihre Arbeit auf: Dr. Frederika Lubinger praktizierte als Ärztin für die Arbeiterinnen der Allgemeinen Arbeiter Kranken- und Unterstützungskasse in Wien. Bis 1912 stieg die Zahl der Kassenärztinnen dieser Versicherung auf ganze fünf. Die Mehrheit der zu dieser Zeit praktizierenden Ärztinnen arbeitete als niedergelassene Praktikerin. Bis 1929 stieg die Zahl der Ärztinnen auf 477, auch Fachärztinnen waren darunter. Besonders viele arbeiteten übrigens als Zahnärztin (72). Eine einheitliche Ausbildungsordnung, die zum Führen eines Facharzttitels berechtigte bestand übrigens in Österreich bis nach dem zweiten Weltkrieg nicht. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde 1938 in Österreich die deutsche Reichsärzteordnung übernommen. Erst das österreichische Ärztegesetz vom 30. März 1949 schrieb eine Facharztausbildung vor und die dazu notwendigen Fertigkeiten fest.</p>
<p><strong>Unikarriere unmöglich</strong><br />
 Bis zu Beginn der Nazidiktatur durfte sich jede Ärztin/jeder Arzt als „Fachärztin/Facharzt&#8221; bezeichnen, wenn sie oder er sich dazu berechtigt und ausgebildet fühlte. Dies tat auch die erste Gynäkologin, die die Annalen der Medizingeschichte Österreichs verzeichnete. Ihr Name war Dr. Dora Teleky. Die Arzttochter promovierte 1904 an der Alma mater Rudolphina und absolvierte ihre Facharztausbildung an der 1. Chirurgischen Klinik am Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Anton Eiselsberg sowie an der II. Frauenklinik. Sie wählte das Spezialgebiet Urogynäkologie und arbeitete intensiv wissenschaftlich. Habilitieren konnte sie sich allerdings nicht, auch wenn dies zeitlebens ihr Wunsch gewesen war. Die Medizinhistorikerin Dr. Ingrid Arias: „Sie hat wissenschaftlich gearbeitet und zahlreiche Publikationen in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. Allerdings wäre es in den frühen 20er Jahren für eine Frau undenkbar gewesen, sich zu habilitieren. Dr. Dora Teleky musste 1938 vor den Nazis fliehen und emigrierte, gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Physiologen Prof. Dr. Ernst Theodor von Brücke, nach Boston in die USA, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Frauenärztin arbeitete.</p>
<p><strong>Zurück in die Zukunft?</strong><br />
 Übrigens scheint es auch heute, wenn schon nicht unmöglich, so doch immer noch äußerst schwierig zu sein, im Fach Frauenheilkunde in einer Führungsposition zu arbeiten: Derzeit sind zwar in ganz Österreich genau 1.515 FachärztInnen als GynäkologInnen tätig. 485 davon sind Frauen, also rund ein Drittel. Nichts desto weniger werden immer noch sämtliche Universitätskliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe von Männern geführt. Abteilungen an Krankenhäusern sind ebenfalls praktisch zu 100 Prozent von männlichen Frauenärzten geführt. Zwei Ausnahmen gibt es immerhin seit heuer: So ordiniert die Gynäko-Onkologin Prof. Dr. Teresa Wagner seit Juni 2007 als Primaria der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kaiser Franz Josef Spital in Wien. Prof. Wagner ist das ebenfalls ein Portrait dieser Serie gewidmet. Als zweite Primaria einer Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe folgte ihr Prof. Dr. Petra Kohlberger als ärztliche Leiterin der Semmelweisklinik.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<dl id="attachment_115" class="wp-caption alignleft""><dt><strong><img class="size-full wp-image-115" title="wastl-helene-prof-dr" src="http://www.sabinefisch.at/wordpress/wp-content/uploads/2009/03/wastl-helene-prof-dr.jpg" alt="Prof. Dr. Helene Wastl" width="175" height="249" /></strong></dt><dd class="wp-caption-text" style="width: 185px">Prof. Dr. Helene Wastl</dd></dl>
<p><strong>Bastion eingenommen</strong><br />
 Prominente Vorbilder der heute agierenden weiblichen Abteilungsvorstände und Ordinariae sind erneut in der Vergangenheit zu suchen. Als ein solches Vorbild kann beispielsweise <strong>Prof. Dr. Helene Wastl</strong> gelten, die es als erste Frau in Österreich schaffte, sich in der Medizin und zwar im Fach Physiologie, zu habilitieren. Ihr Mentor war übrigens Dora Telekys Ehemann: Prof. Dr. Ernst Theodor von Brücke. Er ermöglichte es der engagierten Medizinerin, ihre ersten wissenschaftlichen Arbeiten zu veröffentlichen. Wastl galt als strebsam und gewissenhaft. Sie entsprach ganz und gar dem Bild der Medizinstudentin, das der Wiener Pathologe Prof. Dr. Rudolf Maresch in der Festschrift zum 30jährigen Jubiläum des Hochschulzugangs für Frauen so charakterisierte: „Die geistige Reife, die Frauen häufig rascher erlangen, erleichtert ihnen das Eindringen in das ernste Wissensgebiet, und Fleiß, Ausdauer, Gewissenhaftigkeit, die ernsten Frauen in hohem Maße eignen, bringen es mit sich, dass uns die Erscheinung der „verbummelten&#8221; Studentin unbekannt geblieben ist.&#8221;<br />
 Trotzdem dauerte es zwei Jahre, bis ihr die Venia legendi zugestanden wurde, wie die Medizinhistorikerin und Ärztin Doz. DDr. Sonia Horn beschreibt: „Sie reichte 1928 um die Venia legendi ein, verliehen wird sie ihr erst im Jänner 1930. Der Entscheidungsprozess dauerte somit fast zwei Jahre.&#8221; Der Habilitation zur außerordentlichen Professorin für Physiologie waren Studienaufenthalte in Graz (1923) und in Cambridge (1924) vorausgegangen. Neben ihrer Tätigkeit als Physiologin war Helene Wastl Delegierte der Hygienesektion des Völkerbundes. 1931 wurde sie an die Lehrkanzel für Physiologie ans Women`s Medical College Philadelphia gerufen, die sie 1936 verlässt um an die Cornell University zu wechseln. Einmal noch kehrte Helene Wastl nach Österreich zurück. Sie heiratete den Physiologen Dr. Franz Lippay und setzte danach ihre Lehrtätigkeit an der Cornell University fort. In der Nazizeit wurden ihr Doktortitel und Habilitation aberkannt. Danach verliert sich ihre Spur.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><strong>Viel verändert?</strong><br />
 Mittlerweile studieren mehr Frauen als Männer Medizin. 57,6 Prozent der TurnusärztInnen sind weiblich, bei den AllgemeinmedizinerInnen beträgt der Frauenanteil 48,6 Prozent und 30,4 Prozent aller FachärztInnen in Österreich sind Frauen (siehe Kasten 2). Führungspositionen für Frauen bleiben allerdings dünn gesät. Das zeigt der Anteil an ordentlichen Professorinnen der medizinischen Universitäten in Österreich: Er liegt nach wie vor bei nur zehn Prozent.**</p>
<p>Zulassung von Frauen zum Medizinstudium:</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top">
<p>Jahr</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Land</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1864</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Schweiz</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1868</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Spanien</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1870</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Schweden</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1874</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Großbritannien (Medical School of Women)</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1875</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Finnland, Dänemark, Niederlande, Indien</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1876</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Belgien, Italien</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1878</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Australien</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1886</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Island</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1888</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Frankreich</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1890</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Griechenland</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1894</p>
</td>
<td valign="top">
<p>Osmanisches Reich</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p>1896</p>
</td>
<td valign="top">
<p>deutsches Reich und Ungarn</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">
<p><strong>1900</strong></p>
</td>
<td valign="top">
<p><strong>Österreich</strong></p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Ärztinnen und Ärzte in Österreich:</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" width="480">
<tbody>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="center">alle</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="center">m</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="center">f</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">Frauenanteil   2006</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Alle Ärzte</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">12.261</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">6.308</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">5.953</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">48,6%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p><strong>Turnusärzte</strong></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">6.497</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">2.758</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">3.739</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">57,5%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Allgemeinmediziner</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">12.261</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">6.308</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">5.953</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">48,6%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Fachärzte</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">17.807</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">12.399</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">5.408</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">30,4%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center"> </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Ärzte mit Ordination</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">15.088</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">10.772</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">4.316</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">28,6%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>AM mit Ordination</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">6.304</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">4.149</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">2.155</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">34,2%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Fachärzte mit Ordination</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">8.747</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">6.602</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">2.145</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">24,5%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center"> </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p><br class="spacer_" /></p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center"> </p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Angestellte Ärzte</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">20.011</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">9.939</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">10.072</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">50,3%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Angestellte AM</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">4.884</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">1.684</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">3.200</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">65,5%</p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="219" valign="bottom">
<p>Angestellte FA</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">8.491</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">5.426</p>
</td>
<td width="50" valign="bottom">
<p align="right">3.065</p>
</td>
<td width="111" valign="bottom">
<p align="center">36,1%</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Quelle: Ärztekammer Österreich</p>
<p>Zahlen und Informationen aus:<br />
 Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Sonia Horn (Hrsg.) „Töchter des Hippokrates&#8221; 100 Jahre akademische Ärztinnen in Österreich. Verlag der Österreichischen Ärztekammer 2000<br />
 Sonia Horn, Ingrid Arias (Hrsg.) „Sozialgeschichte der Medizin &#8211; Medizinerinnen&#8221; Wiener Gespräche Band 3. Verlagshaus der Ärzte 2003<br />
 Stand FachärztInnen für Gynäkologie Österreich &#8211; Zahlen von der Ärztekammer Österreich<br />
 * Zitat von Dr. Dora Teleky (1885 &#8211; 1963)<br />
 ** Quelle: Medizinische Universität Innsbruck <a href="http://www.i-med.ac.at/gleichstellung/mentoring/ausgangslage.html" target="_blank">http://www.i-med.ac.at/gleichstellung/mentoring/ausgangslage.html</a></p>
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